Konzept der Partei

 

 

Nach dem weltanschaulichen und vor dem programmatischen Teil des Parteiprogramms wollen wir kurz auf das “Konzept der Partei” eingehen bzw. die Frage, auf welchen Überlegungen es aufgebaut ist.

 

In der bisherigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland haben sich unserer Ansicht nach eine aus vier Konstanten bestehende Grundstruktur der Parteienlandschaft herausgebildet, die in das Konzept einer Partei einbezogen werden muss, wenn sie die Möglichkeit einer Machtteilnahme ins Auge fasst.

 

Die erste Konstante ist die Aufteilung der politischen Landschaft in zwei große (Volks-)parteien, die im Mittel rund 80% der abgegebenen Wählerstimmen auf sich vereinigen, und mehrere kleine Parteien, die sich um die verbleibenden 20% der Wählerstimmen streiten können.

 

Die zweite Konstante bildet die Abneigung des Wählers gegen die Alleinregierung einer Partei. Diese Abneigung zeigt sich in der Tatsache, dass es nur eine einzige Legislaturperiode in den fünfziger Jahren gab, in der die Regierung von einer einzigen Partei (CDU) gebildet wurde.

 

Die dritte Konstante betrifft die Art der Koalitionen, die die Regierung stellten. Bis auf die einzige Ausnahme der großen Koalition aus CDU und SPD von 1966 bis 1969, gab es nur Koalitionen, die von einer großen und einer kleinen Partei gebildet wurden.

 

Die vierte Konstante betrifft die Möglichkeit der Veränderung des Parteiensystems; hier zeigt sich als Konstante, dass Veränderungen im Parteienspektrum ausschließlich im Bereich der kleinen Parteien auftreten (siehe etwa das Auftreten von Grünen, PDS, Republikanern oder DVU).

 

Damit stehen wir, als Partei, die nicht nur in den Bundestag, sondern an der Regierung beteiligt werden möchte, vor folgender Grundsituation:

 

              -  Wir haben zwei große Volksparteien, die den gesellschaftlichen Haupt-

                 entwicklungsstrom mit ihrem politischen Angebot abdecken. Diese ent-

                 sprechen - um ein Bild aus der Warenwelt zu benutzen - traditionellen

                 Kaufhäusern, die sich bemühen soweit wie möglich als "Vollsortimenter"

                 aufzutreten.

 

              -  Wir haben mehrere rechte Kleinparteien (DVU, NPD, Republikaner), die

                 vom Wähler offensichtlich ziemlich bewusst im Sinne einer "Rote Karte-

                 Funktion" benutzt werden, wenn er es für angebracht hält. Darüber hin-

                 aus zeigt sich, dass keine dieser Parteien in der Lage ist irgendwelche

                 Politikkonzepte in einer Weise konkret umzusetzen, die vom Wähler mit

 

                 eklatanten Stimmenzuwächsen - etwa gar auf Bundesebene - honoriert

                 würde. Vielmehr fallen sie fast überall, wo ihnen der Sprung in Länder-

                 parlamente gelungen ist, nur durch mehr oder minder rasant

                 einsetzende Spaltungs- und Zerfallsprozesse auf.

 

              -  Und wir haben drei Kleinparteien - nämlich FDP, Grüne und PDS, die

                 allesamt Aussicht haben, die 5%-Hürde in den Bundestag zu

                 überspringen.

                 Sollten sie alle drei auch nur mit jeweils 5,x%  in Bundestag kommen,

                 dann sind gemäß unserer obigen ersten Konstante mindestens 16% des

                 20%-Kleinparteienpotentials verteilt

 

 

 

Da wir, wenn wir unser TERRANIA-Programm, als Konzept zur "Initiierung eines gesteuerten politischen Prozesses zur politischen Einigung der Menschheit", umsetzen wollen, vier bis fünf Legislaturperioden an der Regierung beteiligt sein müssten, wäre es höchst unrealistisch anzunehmen, dass es während der ganzen Zeit gelänge, die drei oben genannten Parteien bei jeweils 5,x% zu halten, die "sonstigen Parteien" auf nicht mehr als 2% Gesamtstimmenanteil zu drücken  -  und für uns sowohl die verbleibenden 2%  u n d  3,x% aus den Lagern der beiden großen Parteien, bzw. dem Nicht-Wähler-Lager, zu gewinnen.

 

Das realistischste Szenario, auf dem wir daher auch aufbauen, sieht für uns deshalb wie folgt aus:

 

              -  eine der drei Kleinparteien FDP, Grüne und PDS, bleibt für einen längeren

                 Zeitraum unterhalb der 5%-Hürde - oder jeweils eine andere bleibt für ei-

                 nen kürzeren Zeitraum unterhalb der 5%-Hürde, bei etwa 2% bis 3% Stim-

                 menanteil.

 

              -  Es gelingt uns aus dem Reservoir dieser 1 - 2%, zusammen mit weiteren

                 heterogenen 3 - 4% aus dem Lager der Nichtwähler und der Wechsel-

                 wähler der großen Parteien für den benötigten Zeitraum von vier bis fünf

                 Legislaturperioden 5,x% zusammenzubekommen.

 

              -  Wir bilden stabile Dreierkoalitionen aus zwei kleinen und einer großen

                 Partei, wobei die Inhalte unseres Programms so ausgerichtet sein müs-

                 sten, dass wir mit jeder großen und jeder kleinen Partei eine Dreierkoali-

                 tion bilden könnten.

 

Das hat natürlich Konsequenzen für unser Programm, die Ihnen auch sofort auffallen werden, wenn Sie sich die Inhaltsangabe des Parteiprogramms anschauen. Sie finden dort keines der klassischen "großen" Themen wie etwa "Wirtschaft", "Soziales", "Innenpolitik". Der Grund dafür dürfte nach den obigen Überlegungen ebenfalls klar sein:

 

Für eine kleine Partei ist es ohnehin schon etwas merkwürdig inhaltlich mit dem gleichen Anspruch wie die Volksparteien - als "Vollsortimenter" nämlich - auftreten zu wollen, denn mittlerweile müsste eigentlich auch der letzte Wähler gemerkt haben, dass eine Partei wie etwa die FDP ganz wundervolle Ideen haben kann, die nur den Mangel haben, dass sie sie nicht durchsetzen kann

 

Durchsetzen kann sie nur das, was ohnehin auf der Linie einer der beiden möglichen großen Koalitionspartner liegt. Wenn es trotz dieser Gegebenheiten schon in Zweierkoalitionen regelmäßig Streitereien in den verschiedenen Politikfeldern gibt, ist es logisch, dass sich die Zahl der unproduktiven Reibungspunkte in einer Dreierkoalition, in der alle drei Parteien als "Vollsortimenter" auftreten wollen, übermäßig erhöhen würde.

 

Woraus wir für uns den Schluss gezogen haben auf den unsinnigen Anspruch als "Vollsortimenter" von vornherein zu verzichten und uns mehr als "Fachmarkt mit Spezialangebot" verstehen. Dementsprechend gliedert sich unser Programm in unser Zentralthema (Initiierung eines politischen Prozesses, der zu einer politisch geeinten Erde führt, durch die Bundesrepublik Deutschland = TERRANIA-Programm), sowie noch einige mehr "technisch-neutrale" Themen, die aber mit Sicherheit auch noch Reibungsmöglichkeiten genug beinhalten.

 

Die untergeordneten Themen haben wir im Programm, weil man nicht über mehrere Legislaturperioden gewählt wird, wenn man überhaupt nichts zur Lösung von  "Alltagsproblemen" eines Landes und seiner Bevölkerung beitragen kann oder will - das Zentralthema haben wir, weil man einen politischen Attraktor braucht, durch den allein sich aus einem äußerst heterogenen Wählerpotential eine Art Stammwählerschaft entwickeln lässt, die willens ist, für die Realisierung eines zentralen Zieles, über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder unserer Partei ihre Stimme zu geben.

 

Dass dies möglich ist, zeigt der Aufstieg der Grünen, deren Zentralthema "Ökologie" - gespalten in einen etwas diffusen "Umwelt"-bereich und den umso konkreteren Bereich "Atomausstieg" - sie immerhin bis in eine Koalitionsregierung mit der SPD geführt hat. Da es hier allerdings nicht um das Programm der Grünen, sondern um das der LFT geht, wollen wir hiermit unsere Überlegungen zum Konzept unserer Partei beenden und sie ins Programm entlassen, damit Sie feststellen können, inwieweit Ihnen unsere konkreten Vorstellungen zusagen oder auch nicht.

 

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