Die EU im TERRANIA-Programm

 

 

Die Antwort auf die erste Frage findet sich aus unserer Sicht in einer strukturellen Ähnlichkeit der Entstehungsgeschichten der politischen Identitäten auf der mittleren Entwicklungsachse der Eingangsgrafik zu diesem Kapitel, also der EU selber und des Deutschen Reiches von 1871. Denn den Anfang der Entstehungsgeschichte beider Identitäten bildet jeweils die ökonomische Figur eines gemeinsamen Marktes. Und so ist es unserer Ansicht nach einfach nur folgerichtig auch die dritte politische Identität auf der mittleren Entwicklungsachse, die einmal in der Zielform einer politisch geeinten Menschheit ihre Erfüllung finden soll, als ökonomische Keimzelle mit einer begrenzten Anzahl von Gründungsmitgliedern beginnen zu lassen.

 

Und wenn wir in diesem Bereich schon dem Gesetz dem Analogie folgen, können wir das auch gleich auf den Bereich der Namensgebung ausdehnen. Die Keimzelle der heutigen Europäischen Union (EU) war die mit den Römischen Verträgen in den fünfziger Jahren begründete Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Entsprechend haben wir für die ökonomische Keimzelle einer künftigen Terranischen Union (TU) die Bezeichnung Terranische Wirtschafts Gemeinschaft (TWG) gewählt.

 

Nachdem das Kind nun einen Namen bekommen hat, wäre als nächstes festzulegen, wer denn die Mitglieder dieser ökonomischen Keimzelle einer künftigen "planetaren politischen Ganzheit" sein sollten. Diese Frage beantwortet sich unserer Ansicht nach bereits durch die Funktion, die die TWG erfüllen soll: Soll sie doch ökonomisches Gravitationszentrum sein, das in der Lage ist in Abständen immer weitere Staaten aufzunehmen und in den gemeinsamen Markt zu integrieren.

 

Das aber kann sie nur, wenn die Mitglieder ihrer Keimzelle die erfolgreichsten Volkswirtschaften des Planeten repräsentieren - und nicht die erfolglosesten. Aus heutiger Sicht wären die geeignetsten TWG-Gründungsmitglieder daher neben der EU, die USA und Japan - und ansonsten alle Staaten, die zum Zeitpunkt einer tatsächlichen TWG-Gründung ein für die Teilnahme qualifizierendes ökonomisches und politisches Niveau erreicht haben. Was uns sofort zur nächsten Frage führt: Welches Interesse sollten denn, bitte schön, die USA oder Japan haben gemeinsam mit der EU eine Terranische Wirtschafts Gemeinschaft zu begründen??

 

Die Antwort darauf fällt zusammen mit der Antwort auf die oben unter 3.) gestellte "Raumfrage", die bis jetzt auch noch unbeantwortet ist. Wie sie sich vielleicht erinnern werden besteht diese "Raumfrage" im Kern darin, dass durch die schrittweise Erschließung der Raumdimension des "Solaren Raumes" eine schleichende Revolution der Bedingungen stattfindet, die, aus unserer speziellen Sicht heraus, die Wahrscheinlichkeit bestimmen, ob ein harter Dualitätskonflikt der beiden Megamächte China und Indien als Heißer oder Kalter Krieg stattfinden wird.

 

Und wie wir im Kapitel "Machtpotential und Raumdimension" dargelegt haben, wird durch die Bewegung in diesen "Solaren Raum" hinein, eine Veränderung dieser strategischen Bedingungen  entstehen, die die Möglichkeit, die Alpharollenkonkurrenz der beiden Megamächte in Form eines "Heißen Krieges" auszutragen, wesentlich wahrscheinlicher werden lässt, als etwa die Möglichkeit sie in Form eines "Kalten Krieges" auszutragen - wenn nichts geschieht, das Gefüge der grundlegenden strategischen Bedingungen in positiver Weise zu verändern.

 

Zu diesen strategischen Grundbedingungen gehören, in Ergänzung der schon genannten "harten Faktoren", aber auch "weiche Faktoren", deren wichtigster die Meinung der Weltöffentlichkeit zur Frage der "politischen Identität des Solaren Raumes" ist. Das bedeutet im Sinne unserer Vorstellungen, dass der "Solare Raum" im Bewusstsein der Weltöffentlichkeit mit der "Idee einer politisch geeinten Menschheit" identifiziert werden muss.

 

Je besser dies gelingt, umso höher wird die Tabuschwelle, die die Megamächte überwinden müssten, wollten sie versuchen, die zu erwartende Phase extremer dualer Spannung im Sinne einer militärischen Konfliktlösung auf der Ebene des "Solaren Raumes" zu entspannen. Natürlich ist die "Meinung" der öffentlichen Meinung kein unübersteigbares Hindernis für zwei Megamächte, eine destruktive Form des Konkurrenzkonfliktes zu wählen, wenn sie dies wirklich wollen. Aber es ist nichtsdestotrotz ein Hindernis, das erst einmal überstiegen werden muss, will man sich "lieber prügeln", als die Spannung der Unvereinbarkeit zweier Positionen auszuhalten bzw. andere Formen der Konfliktbewältigung zu suchen.

 

Wie aber soll man die Identifizierung des "Solaren Raumes" mit der "Idee einer politisch geeinten Menschheit" im Bewusstsein der Weltöffentlichkeit erreichen? Auf zwei Wegen:

 

 

1. Zum Einen, indem man über ein entsprechendes theoretisches Konzept (wie wir es hier ja zu entwickeln versuchen) eine möglichst überzeugende Anschauungserfahrung vermittelt.

 

2. Zum Anderen aber, indem man der größtmöglichen Zahl Menschen die Möglichkeit der sinnlich-konkreten Erfahrung dieses "Solaren Raumes" bietet - vermittelt durch einen politischen Repräsentanten der Idee einer politisch geeinten Menschheit!

 

 

Beide Erfahrungsangebote zielen dabei gemäß unserem schon zu Anfang vorgestellten "Identitätsmuster" auf die "planetare Identitätsschale" innerhalb jedes Menschen, um die dort gebundene und sozusagen "im Schlaf befindliche" Erfahrung zu "wecken". Mit dem Erwachen der Erfahrung wird gleichzeitig das zugehörige Potential psychischer Energie entbunden, - in jedem Individuum, das von diesem "Identitäts-Erwachen" betroffen ist.

 

Die nunmehr frei gewordene psychische Energie ist aber frei geworden in Richtung auf das Bewusstsein ... und verlangt dort nach neuer Bindung in einer ihrem Inhalt entsprechenden Form. Und als ein mögliches Form-Angebot verstehen wir unser Konzept einer politisch geeinten Menschheit.

 

Nun bedarf aber das unter Punkt 2 angesprochene Angebot einer sinnlich-konkreten Erfahrung des "Solaren Raumes" spezieller Voraussetzungen, um überhaupt gemacht werden zu können, als da wären:

 

entsprechende technische Hilfsmittel, um sich in dieser

Raumdimension bewegen zu können - in diesem Fall also

Raumschiffe!

 

eine entsprechende Verkehrsinfrastruktur - Raumstraßen

sozusagen, die den "Solaren Raum" zivilisatorisch im weit-

esten, touristisch im engeren, Sinne erschließen

 

-und schließlich einen entsprechenden, in unserem Falle

politischen, Träger, der das Ganze offiziell unterhält und

repräsentiert.

 

Wie hätte man sich dieses Angebot, bei Realisierung der eben genannten Voraussetzungen, vorzustellen? Versuchen wir eine grobe Skizze: Wir hatten den "Solaren Raum" als eine Raumkugel mit einem Radius von 10 Mrd. Kilometer definiert, deren Zentrum die Sonne bilden soll. Legen wir in diese Kugel ein x-y-z-Koordinatensystem, dessen Nullpunkt mit der Sonne zusammenfällt, dann stellen die Schnittpunkte der Achsen mit der vorgestellten Kugelhülle sechs markante Punkte dar, an denen solare Grenzstationen positioniert werden. Die Achsen des Koordinatensystems, die auf diese Schnittpunkte bzw. die Grenzstationen zulaufen, wären also als zentrale Verkehrsadern zu denken ... - Solare Raumstraßen sozusagen, die, in Abständen mit entsprechenden Versorgungseinrichtungen versehen, das Grundgerüst für den Aufbau eines zunächst touristischen Angebotes bieten sollen.

 

Eines touristischen Angebotes in der ganzen Breite des heute üblichen; von Tagesausflügen, etwa zu den inneren Planeten, bis zur großen Kreuzfahrt mit allen Planeten und Besuchen auf den Solaren Grenzstationen (Motto: Unsere Heimat im All - aus allen sechs Richtungen des Raumes!). Ziel aller Überlegungen bleibt dabei, zum erwartbaren Beginn der Megamachtphase einen zivilisatorisch weitgehend erschlossenen Raum zu haben, der unter dem Begriff "Solarer Raum" im Bewusstsein der Weltöffentlichkeit als "Raum einer politisch geeinten Menschheit" begriffen wird.  

 

Nehmen wir an, es wäre gelungen, eine Möglichkeit sinnlich-konkreter Erfahrung des "Solaren Raumes" zu realisieren, dann wäre damit ein Angebot geschaffen, das darauf zielt, eine Nachfrage zu wecken. Wäre die Nachfrage geweckt, wären mit einem Angebot und einer Nachfrage die Grundfaktoren vorhanden, die einen Markt konstituieren. Bis hierher wird die Finanzierung vor allem des Aufbaus einer "Solaren Infrastruktur" als Voraussetzung für die Schaffung eines breiten touristischen Angebotes von staatlicher Seite erfolgen müssen, weil sie eben primär politisch und nicht ökonomisch motiviert ist.

 

Da ein Staat aber aller bisherigen Erfahrung nach keine sonderlichen unternehmerischen Fähigkeiten hat, sollte spätestens ab diesem Punkt der Entwicklung, mit der Konstituierung eines funktionierenden Marktes also, die Trennung der Träger des ökonomischen Angebotes vom rechtlichen Träger der "Solaren Infrastruktur", der alle hoheitlichen Aufgaben wahrzunehmen hätte, erfolgen.

 

Womit sich eine weitere Frage stellt: Die Frage nämlich, wer denn wohl der geeignetste rechtliche Träger einer Solaren Infrastruktur wäre, deren politisches Ziel darin besteht über ein ökonomisches Angebot einer wachsenden Zahl von Individuen den "Solaren Raum" als "Raum einer politisch geeinten Menschheit" bewusst zu machen? Unsere Antwort: Zweifellos die politisch geeinte Menschheit selber! Das aber ist nicht möglich, denn wie allgemein bekannt gibt es zur Zeit eben noch keine politisch geeinte Menschheit.

 

Kann man daher die beste Lösung nicht haben, nimmt man eben die zweitbeste Lösung. Doch wie sieht die aus? Wenn eine politisch geeinte Menschheit der geeignetste Träger wäre, dann wäre nächst dieser derjenige der geeignetste Träger, der einer politische geeinten Menschheit am ähnlichsten ist. Und da wir die politisch geeinte Menschheit als eine "politische Identität", die als "planetare politische Ganzheit" organisiert ist, definiert haben, sollte die grundsätzliche Ähnlichkeit des gesuchten Trägers darin bestehen, dass es sich ebenfalls um eine politische Identität  handelt, die als planetare politische Ganzheit organisiert ist.

 

Das führt uns zu einer Konsequenz, die zunächst einmal etwas gewöhnungsbedürftig sein dürfte:

 

Da die geforderte planetare politische Identität offensichtlich noch gar nicht existiert muss sie logischerweise erst geschaffen werden. Da dies auf der Erde aber nicht geht, kommt nur eine Alternative in Frage: ein anderer Planet unseres Sonnensystems!

 

Denn wie der Begriff "planetare politische Ganzheit" zum Ausdruck bringt handelt es sich um eine politische Ganzheit, deren "Körper" oder "Staatsraum" keine Region, kein Nationalstaatsraum, kein Kontinent, sondern eben ein Planet ist. Und da auf der Erde ein solcher Raum nicht mehr zu vergeben ist, kommt logischerweise nur ein anderer Planet in Frage.

 

Ein anderer Planet unseres Sonnensystems also ... - aber welcher?  Eine zweite Erde haben wir nicht, also kommt wieder nur derjenige Planet in Frage, der der Erde von den grundlegenden Bedingungen am ähnlichsten (Similegesetz!) ist: der Mars! Zwar hat der Mars nur 40% der Erdgravitation und seine Atmosphäre ist faktisch auch nur der Hauch einer solchen, aber mit entsprechendem technischen Aufwand ist der Mars als Lebensraum nutzbar - im Gegensatz zu Venus und Merkur, die beide aufgrund der hohen Bodentemperaturen nicht in Frage kommen.

 

Wie aber sollte diese "Gründung einer planetaren politischen Identität auf dem Mars" konkret aussehen? Schon aufgrund der nicht vorhandenen "natürlichen Lebensgrundlagen", wie wir sie von der Erde her kennen und selbstverständlich in Anspruch und Verbrauch zu nehmen gewohnt sind, versteht es sich wohl von selbst, dass nicht einfach "jeder, der Lust hat" mal eben auf den Mars fliegen und sich irgendwo "ein Häuschen" bauen kann.

 

Stattdessen kann Besiedelung nur in dem Maße stattfinden, wie es gelingt auf künstlichem Wege Lebensmöglichkeiten bzw. Lebensraum zu schaffen. Das bedeutet prinzipiell "zentrales Siedlungskonzept" anstelle von "dezentralem Siedlungskonzept", denn "dezentral" bedeutet in jedem Fall längere Transportwege und damit höhere Transportkosten für Menschen und Güter. Daher wollen wir die zu realisierende "planetare politische Ganzheit" in der Keimform einer Stadt begründen:

 

                 

           Ihr Name   .........................................................   T E R R A N I A

                        

           Ihre Funktion   .................................................   Exilhauptstadt der Menschheit

 

           Ihr Ort   .............................................................   Am Krater "Olympus Mons"

 

 

Und hier trifft sich die Antwort auf die "Raumfrage" mit der Antwort auf die Frage, wie die EU die USA und Japan dafür interessieren soll, gemeinsam mit ihr als ökonomische Vorform der angestrebten Terranischen Union (TU) eine Terranische Wirtschafts- Gemeinschaft (TWG) zu begründen.

 

Dies ist, vor allem was die USA betrifft, im Kern zunächst ein psychologisches Problem. Denn wer etwa die USA für eine TWG-Mitgliedschaft gewinnen will, der muss nicht nur die politische Klasse, sondern die amerikanischen Wähler von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines Prozesses überzeugen, der letztlich auch für die USA zum Souveränitätsverzicht zugunsten einer übergeordneten politischen Form führen wird.

 

Und das wiederum heißt, Menschen zu überzeugen, die fest im Bewusstsein verwurzelt sind eine Supermacht zu sein, der letztlich niemand auf diesem Planeten das Wasser reichen kann - und in deren Bewusstsein Europa, unbeschadet aller politischen Einigungsschritte, ein Kontinent ist, der ja vielleicht ganz nett ist und wo es auch viele interessante alte Dinge zu sehen gibt ... aber sonst??  Wie also überzeugt man diese Menschen?

 

Indem man eine TWG-Grundzelle zunächst einmal ohne die USA formiert, die soviel an psychologischer, politischer und ökonomischer Atmtraktorkapazität repräsentiert, dass in einer Bevölkerungsmehrheit der gewünschten Beitrittskandidaten allein dadurch die Gewissheit entsteht, dass hier der Königsweg der Entwicklung zu einer politisch geeinten Menschheit liegt. Und dass, wer sich hier abseits stellt, sich langsam aber sicher tatsächlich ins politische Abseits stellen wird.

 

Nun kann die EU diese Grundzelle natürlich nicht "mit sich selbst" begründen, sondern braucht einen für die beschriebene Herausforderungsaufgabe geeigneten Partner. Und da es den ebenfalls nicht gibt ... - muss sie ihn sich schaffen:

 

                          Die Stadt Terrania auf dem Mars, die die Keimform einer

                          "planetaren politischen Identität Mars" repräsentieren soll!

 

Wie soll das funktionieren und was gewinnen wir damit eigentlich? Zur Frage des technischen Ablaufs haben wir unsere diesbezüglichen Vorstellungen im Kapitel "Weltraumpolitik" des Parteiprogramms dargestellt, deshalb wollen wir uns hier auf den politischen Grundgedanken beschränken, der wie  folgt aussieht: Die EU gründet die Stadt Terrania auf dem Mars ... - und erkennt sie diplomatisch an als die "planetare politische Identität Mars". Daraufhin begründen die STADT TERRANIA, als Repräsentantin der "planetaren politischen Identität Mars", und die EU die Terranische Wirtschafts-Gemeinschaft (TWG).

 

Die STADT TERRANIA wird prinzipielles Einwanderungsgebiet, vornehmlich für diejenigen Identitäten, die auf der Erde unerwünscht sind - und davon gibt es ja genug. "Prinzipiell" deshalb, weil es faktisch eben dauern wird, bis entsprechende künstliche Lebensvoraussetzungen geschaffen sind,  die menschliches Leben in größerer Zahl in TERRANIA ermöglichen.

 

Der weitere Entwicklungsimperativ für TERRANIA lautet dann einfach: Wachsen und Gedeihen - am oberen Rand des Möglichen! Keinen Schritt darüber, denn übertriebene Eile schadet nur - aber auch keinen Schritt unterhalb der Grenze des Möglichen, denn zum Beginn der Megamachtphase ab 2100 sollte TERRANIA ein politischer Faktor aufgrund eigener Kapazität sein.

 

Die TWG finanziert Entwicklung und Aufbau der Solaren Infrastruktur - in Abstimmung mit Partnern aus der privaten Wirtschaft, die, im Sinne der obigen Überlegungen, ein touristisches Nutzungskonzept realisieren sollen - und beauftragt die STADT TERRANIA mit der Rechtsträgerschaft der Solaren Infrastruktureinrichtungen.

 

Mit der Gründung der TWG gewinnen wir eine politische Herausforderungsform, die alle anderen politischen Identitäten des Planeten Erde "zwingt" sich mit der Frage der politischen Einigung der Menschheit konkret auseinander zusetzen - namentlich die von uns als erste Mitglieder angestrebten Staaten USA und Japan. Welches Interesse sollten nun die USA an einer TWG-Mitgliedschaft haben?

 

Nach UN-Berechnungen soll das Bruttosozialprodukt Chinas dasjenige der USA etwa um das Jahr 2020 überholen. Naturgemäß sind solche Prognosen mit etlichen Unwägbarkeiten behaftet, und so wird sich der in der UN-Prognose angenommene Zeitpunkt wohl auch etwas weiter in die Zukunft verschieben, da er die Bremsspuren in der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas, die durch die Asienkrise von 1997 ausgelöst wurden nicht vorhersehen und damit auch nicht einbeziehen konnte.

 

Aber auch wenn sich der besagte Zeitpunkt um einige Jahre verschieben sollte - das Ereignis als solches ist absehbar und wird eintreten. Und wenn es eingetreten sein wird, wird es nicht nur eine ökonomische, sondern vor allem eine psychologische Wendemarke für das Selbstverständnis der USA als führende Macht des Planeten Erde markieren, denn von diesem Moment an werden sie den Gipfel ihrer Macht überschritten haben und mit jedem Jahr ein kleines Stück weiter zurückfallen.

 

Das wird sich, wie gesagt, nicht unmittelbar bemerkbar machen, aber die amerikanische politische Klasse - soweit sie sich mit Zukunftsfragen im weiteren Sinne befasst - und besonders die diversen "Denkfabriken" werden sich der Frage stellen müssen: Wie weiter? Und sollten sie es nicht schon heute sehen und wissen, werden sie spätestens dann sehen und wissen, dass mit dem ökonomischen Aufstieg Chinas und Indiens das Zeitalter von Supermacht zuende geht und das Zeitalter von Megamacht  heraufzuziehen beginnt.

 

Theoretisch könnten die USA natürlich versuchen einen gemeinsamen amerikanischen Markt aller Staaten Nord-, Mittel- und Südamerikas zu bilden, innerhalb dessen sie die politisch dominierende Kraft wären, und über eine dergestalt verbreiterte ökonomische Grundlage den Prozess des wachsenden relativen Verlustes an politischer Macht gegenüber den Megamächten weiter zu verzögern, aber auch ein gemeinsamer amerikanischer Markt würde nicht über die ökonomische Kapazität einer mittleren Megamacht hinauskommen.

 

Eine Kapazität, die in diesem Fall noch dazu bestenfalls teilweise genutzt werden könnte, weil ja keine politische Einheit besteht - damit der ökonomische Synergieeffekt politisch nicht adäquat umgesetzt werden könnte, sondern ganz im Gegenteil wieder zersplittert würde. Die Alternative einer amerikanischen Variante der britischen "splendid Isolation" wäre also keine wirkliche Alternative, da man sich damit ja dennoch aus dem zentralen politischen Entwicklungsstrom ausklinkt, innerhalb dessen Weltpolitik - und das heißt, die Rahmenbedingungen für alle kleineren politischen Einheiten -  definiert und gestaltet wird. 

 

Und das wiederum würde bedeuten: Die Verzögerung des Abstiegs würde zur Verlängerung der Qual des Abstiegs, der noch dazu letztlich eben dennoch unausweichlich an den Punkt der politischen Transformation von der eigenständigen Ganzheit hin zur Integration als Teil einer größeren Ganzheit führen müsste. Als Beispiel kann hier Großbritannien dienen: Weder das weltumspannende Empire noch seine Transformationsform als "Commonwealth of Nations" oder der Versuch sich über eine reine europäische Freihandelszone EFTA ohne politische Zielvision, die liebgewonnene Weltmachtstellung zu erhalten, haben Großbritannien "retten" können vor dem immer weiter fortschreitenden weltpolitischen Abstieg und der schließlichen Erkenntnis, dass eine Integration in ein politisch zusammenwachsendes EU-Europa letztlich politisch alternativlos ist. (Ergänzung: Die britischen Konservativen haben es in großen Teilen bis heute noch nicht geschafft dies zu begreifen)

 

Und wenn sich die USA vor diesem Hintergrund mit dem Angebot einer TWG-Mitgliedschaft auseinandersetzen, werden sie, eben weil es langfristig keine realistischen Alternativen gibt, zu dem Schluss kommen müssen, dass sie sich bei einem TWG-Beitritt den, unter den gegebenen bzw. heraufziehenden Bedingungen, größtmöglichen Einfluss auf die politischen Verhältnisse, die ihr eigenes Wohl bedingen, erhalten - es somit im besten nationalen Interesse läge der TWG beizutreten. Und weil es gar nicht oft genug gesagt werden kann, an dieser Stelle noch einmal: Was die TWG dabei von möglichen anderen Varianten ökonomischer Zusammenschlüsse unterscheidet ist, dass sie sich  ausdrücklich als ökonomische Vorform einer politischen Zielform versteht, und dass sie nicht regional oder kontinental, sondern eben planetar angelegt ist.

 

Schauen wir nach Osten und sehen uns Japan an. Was sollte die Japaner an einer TWG-Mitgliedschaft interessieren? Der schon oben angesprochene Zeitpunkt, an dem China die USA, zumindest was die Summe des Bruttosozialproduktes betrifft, überholt, stellt nicht nur für die USA, sondern auch für Japan eine psychologische Zäsur dar. Denn ab diesem Moment steht Japan vor zwei Erkenntnissen: Erstens, dass die Schutzfähigkeit seines "großen Bruders" USA gegenüber den beiden ständig stärker werdenden Megamächten China und Indien mit jedem Jahr abnehmen wird. Zweitens, dass es bei wachsender Schutzlosigkeit in unmittelbarer Nachbarschaft zum kommenden, politischen Weltspannungszentrum  (China - Indien) im Grunde allein und isoliert ist. Denn: Es ist keine Megamacht! Es ist auch kein Teil der ASEAN-Gemeinschaft! Und die USA werden ihm eben mit jedem Jahr weniger den Schutz früherer Jahrzehnte geben können.

 

Man könnte einwenden, schon aufgrund der Erfahrung mit den geologischen Lebensbedingungen ihrer Insel (ständige Erdbebengefahr aufgrund der Lage in einer Zone, in der drei Kontinentalplatten aneinander stoßen) seien die Japaner "den Ritt auf dem Tiger" gewohnt, und aufgrund ihrer isolationistischen Neigungen ohnehin nicht bereit einer TWG beizutreten, die sich zudem auch noch ausdrücklich als ökonomische Vorstufe einer politischen Gemeinschaftsform versteht. 

 

Aber mit den geologischen Bedingungen ihrer Insel mussten sie leben lernen, weil sie ihnen alternativlos ausgeliefert waren; und dass sie beständig versuchen möglichst noch erdbebensicherere Gebäude und Verkehrswege zu erfinden und zu konstruieren, sollte Beweis genug sein, dass sie dem "Schutz"-Gedanken keineswegs abhold sind, sondern tun was in ihrer Macht steht, um eben Schutz zu finden.

 

Wenn sie nun aber das Angebot bekommen, zwar nicht ihre geographische Lage, aber ihre geopolitische Situation grundlegend ändern zu können, indem sie Teil einer ökonomischen Gemeinschaft werden, die sich ausdrücklich als Vorstufe einer planetaren politischen Integration ansieht, dann erhalten sie damit die Möglichkeit genau den Schutz zu finden, den eine Zukunft als isolierter Staat nicht mehr bieten kann, der militärisch einfach nur auf den Schutz der USA und politisch auf das einzige Konzept "Ducken und Durchwursteln" baut.       

 

Als TWG-Mitglied dagegen müssten sie, mit einem durch die TWG-Mitgliedschaft innerhalb der Region psychologisch erhöhten Stellenwert, daran gehen auf eine schrittweise Integration aller Staaten südlich und östlich von China und Indien im Sinne eines Megamachtbereiches ASEANIEN - wozu dann beispielsweise auch Australien und Neuseeland gehören würden - hinzuwirken. Denn es gehört ja zum Konzept der TWG, dass jedes Mitglied im Bereich einer der skizzierten 5 Megamächte - außer China und Indien - liegt und als TWG-Mitglied die Aufgabe hat im Rahmen seiner Möglichkeiten auf die ökonomische und politische Integration "seines" Megamachtbereiches hinzuarbeiten.

 

Die Alternative für Japan angesichts des heraufziehenden Megamachtzeitalters lautet also: wachsende politische Isolation in Südostasien bei wachsender Einschränkung der Möglichkeiten aktiv die Rahmenbedingungen der eigenen politischen Existenz mitzugestalten oder Integration über TWG-Mitgliedschaft und damit maximal möglichen Einfluss auf die Gestaltung der Rahmenbedingungen der eigenen politischen Existenz.

 

Fassen wir zusammen: Vor dem Hintergrund des Wechsels von der Supermacht- zur Megamachtepoche öffnet sich im Zeitraum von ca. 2050 - 2100 für die EU ein "Fenster der Gestaltung", das durch drei Faktoren charakterisiert ist:

                        

den relativen Niedergang von Supermacht,

repräsentiert durch die USA, aufgrund ab-

nehmender ökonomischer Potenz verglich-

en mit den werdenden Megamächten.

 

die "noch-nicht-Präsenz" von Megamacht,

weil deren Zeit erst ab 2100 beginnt.

 

einer EU, die nach Bevölkerungspotential

und Wirtschaftskraft, die Kapazität einer

kleinen Megamacht repräsentiert.

 

 

Dieses "Fenster der Gestaltung" soll die EU nutzen, um - orientiert an ihrer eigenen Entstehungsgeschichte - zunächst eine ökonomische Vorform (TWG) der eigentlichen Zielform einer "planetaren politischen Ganzheit TERRA" zu formieren. Über die Stationen des Aufbaus einer Solaren Infrastruktur, die einer maximalen Zahl Menschen die Möglichkeit geben soll den "Solaren Raum" als "Raum einer politisch geeinten Menschheit" konkret zu erfahren, und der Gründung der STADT TERRANIA, als Keimform einer planetaren politischen Ganzheit MARS, sollen andere Staaten - insbesondere die USA und Japan - zur Teilnahme herausgefordert werden.

 

Außerdem soll dadurch der erwartbaren Phase harter, politischer Dualität der beiden Megamächte zu Beginn der Megamachtepoche psychologisch die Spitze gebrochen und einer möglichen militärischen Konkurrenzentscheidung innerhalb des "Solaren Raumes" vorgebeugt werden. Parallel dazu soll die faktische Präsenz einer "planetaren politischen Ganzheit MARS" einen permanenten Weckreiz auf die "planetare Identitätsebene"  innerhalb des Identitätsresonanzmusters jedes Menschen ausüben, da das Erwachen des planetaren Identitätsanteils im Bewusstsein jedes einzelnen Menschen die Voraussetzung für die konkrete Formierung einer planetaren politischen Ganzheit TERRA bildet.

 

Dabei bietet die TWG zum einen die Grundvoraussetzung für die schrittweise Integration immer weiterer Staaten, zum anderen bietet sie eine politische Verpuppungsform, in deren Schutz die Transformation der gegenwärtig bekannten Staatenlandschaft in die im obigen Kapitel projektierten 5 politischen Identitäten, die wenigstens die Kapazität einer mittleren Megamacht aufweisen sollen, stattfinden kann. Dies vor allem aus der Erfahrung, dass ein relatives Gleichgewicht der Kräfte den besten Schutz gegen Fehlentwicklungen bildet.

 

Nach einer mehr oder weniger langen "Eingewöhnungsphase" innerhalb der TWG, beginnt dann der eigentliche Aufbau der - außer China und Indien - 5 Megamachtbereiche im Sinne konkreter politischer Ganzheiten, die dann ihrerseits wiederum die "Teile" der angestrebten "planetaren politischen Ganzheit TERRA" bilden. Was hier in knappen Worten geschildert wird, wird sich in der Realität natürlich zumindest über die gesamte Megamachtphase - gemäß unserem Konzept also bis 2250 - hinziehen. Wem das zu langsam erscheint, der halte sich dazu die EU vor Augen und betrachte sich die quälende Langsamkeit mit der sich der Aufbau einer tatsächlichen politischen Union vollzieht.

 

Aber wie lange der Prozess auch dauern mag, sollte seine Initiierung gelingen besteht der entscheidende Unterschied zum vorherigen Zustand in der nicht hoch genug zu schätzenden Tatsache, dass es sich nunmehr um einen bewussten, in seinen Grundstrukturen bekannten, und damit eben steuerbaren politischen Prozess handelt - gegenüber einem "politischen Heute", dass in punkto Sicherheit durch langfristige politische Gestaltung einfach nur "von der Hand in den Mund" lebt. Damit zum letzten Punkt unserer weltanschaulichen Überlegungen, der Frage, in welcher Beziehung denn die Bundesrepublik Deutschland zum TERRANIA-Programm steht?

 

 

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