Entwicklungsalternative TERRANIA-Programm

 

 

 

 

Wie die Grafik zeigt, läuft der eigentliche Einigungsprozess in drei Phasen ab, die alle das gleiche Grundmuster aufweisen. Diese drei Phasen - wir haben sie als Großmacht-, Supermacht- und Megamachtepoche bezeichnet - erstrecken sich über jeweils 150 Jahre und können ihrerseits auch wieder in je drei 50-Jahres-Phasen unterteilt werden, die inhaltlich wieder als Aufbau-, Eintfaltungs- und Vollendungs- bzw. Übergangsphase (zum nächsten Zyklus) interpretiert werden können.

 

Betrachtet man das obige Bild im Lichte der bereits gemachten geschichtlichen Erfahrungen, so ergibt sich im Grunde schon aus dem Aufbau der Grafik eine Handlungsanweisung, welche der beteiligten politischen Identitäten welche Rolle zu spielen, welche Aufgabe zu erfüllen hat. Wir sehen eine linke, eine mittlere und eine rechte Entwicklungsachse. Auf der linken und rechten Achse finden wir die politischen Identitäten, die das Machtpotential repräsentieren, das der jeweiligen Epoche ihren Namen gibt.

 

Die sich jeweils gegenüberliegenden Identitäten stehen in Konkurrenz um die Alpharolle innerhalb ihrer Epoche. Die Spannung zwischen ihnen definiert ein politisches Kraftfeld, dem eine Anzahl kleinerer politischer Identitäten je nach ihrer geopolitischen Lage mehr oder weniger stark ausgeliefert sind. Dieses Ausgeliefertsein wird als politische Ohnmacht erfahren, aus der man nur herauskommen kann, wenn man sich zusammenschließt und ein Machtpotential realisiert, das der Kapazität politischer Macht der beiden Alpharollenkonkurrenten zumindest vergleichbar ist.

 

Die Einzelheiten dieses Prozesses haben wir im Kapitel "Einigungsmechanik" dargestellt, weshalb wir uns an dieser Stelle auf die Ergebnisse des Vorgangs beschränken wollen. Als Reaktion auf die Ohnmachtserfahrung kommt es bei einer Anzahl der betroffenen kleineren Identitäten zum politischen Zusammenschluss und damit zur Bildung einer neuen politischen Identität, die nicht nur in unserer Grafik, sondern auch nach ihrer tatsächlichen Kapazität an politischer Macht eine Mittellage einnimmt:

 

Ihr Potential ist größer als das der beiden Alpharollenkonkurrenten, die die jeweilige Epoche definieren, aber kleiner als das der beiden Alpharollenkonkurrenten der nächsten Epoche. Etwas anschaulicher könnte man sie als "Überwinder" der alten und "Herold" der neuen Epoche bezeichnen. Damit stellt sich die Frage: Was macht diese neue politische Identität mit ihrem Überschußpotenzial an politischer Macht, in welcher Weise und zu welchen Zwecken setzt sie es ein?

 

In der Großmachtphase war der konkrete politische Repräsentant dieser "Herolds-Identität" das II. Deutsche Reich (von 1871), und dieses verfolgte spätestens seit dem Abgang Bismarcks eine Politik, die auf Teilnahme an der Alpharollenkonkurrenz der epochendefinierenden Mächte abzielte. Und das war, wie die Geschichte gezeigt hat, leider der falsche Weg. Nachdem es unter Hitler gelungen war, diesen falschen Weg nochmals zu toppen (mit den gleichfalls bekannten Ergebnissen) hat die Bundesrepublik Deutschland mit der europäischen Integrationspolitik den richtigen Weg beschritten. Inwieweit lässt sich aus dieser Entwicklung aber eine Handlungsanweisung für die Zukunft ableiten?

 

Schauen wir uns dazu wieder die obige Grafik an, und orientieren uns am dort dargestellten Entwicklungsmuster: Wenn die Politik der europäischen Integration prinzipiell richtig ist - und es gibt wohl keinen Grund daran zu zweifeln - dann lautet die Handlungsanweisung im Sinne der Grafik für die politischen Identitäten, die sich jeweils auf der mittleren Entwicklungsachse befinden:

 

                                      Setze deinen Kapazitätsüberschuss ein, um eine

                                      politische Identität zu evozieren, die sowohl dich,

                                      als auch die Alpharollenkonkurrenten, deren

                                      Konkurrenz den Antrieb für deine Entstehung

                                      geliefert hat, in einer gemeinsamen politischen

                                      Identitätsform zu integrieren in der Lage ist!    

 

In der Supermachtepoche, unserer politischen Jetztzeit also, ist die politische Identität auf der mittleren Entwicklungsachse die EU. Im Sinne des eben formulierten Imperativs müsste die EU also ihren Kapazitätsüberschuss an politischer Macht, den sie gegenüber der verbliebenen Supermacht USA irgendwann in der ersten Hälfte des nächsten Jahrhunderts erreichen wird, für die Formierung und Durchsetzung einer politischen Identität einsetzen, die von ihrer Konzeption her geeignet wäre sowohl die Alpharollenkonkurrenten der Supermachtepoche, die USA und die Nachfolgestaaten der implodierten ehemaligen Supermacht UdSSR (mithin also Russland, sowie die GUS-Mitglieder, die das wollen), als auch die EU selber in sich zu integrieren.

 

Darüber hinaus muss sie aber noch weitere Anforderungen erfüllen können:

 

1. Sie muss, wie unter den Zielen des TERRANIA-Programmms bereits erwähnt, in der Lage sein, all denjenigen politischen Identitäten, die im Zuge der zu erwartenden Phase harter dualer Konkurrenz zu Beginn der Megamachtepoche aufgrund der für sie damit verbundenen politischen Ohnmachtserfahrung, einen Beitritt wünschen, eine Integrationsmöglichkeit bieten können.

 

Da die Erfahrung politischer Ohnmacht im Zusammenhang der Konkurrenzauseinandersetzung der Megamächte vermutlich diejenigen Identitäten am stärksten betreffen wird, die auch geographisch den künftigen Megamächten China und Indien am nächsten liegen, ergibt sich schon von daher als Konstruktionsforderung an die zu schaffende politische Identität, dass sie im Sinne unseres Kapitels "Identitätsmuster" eine "planetare Identitätsqualität" repräsentieren muss.

 

2.  Sie muss so beschaffen sein, dass sie letztlich auch die Megamächte selber integrieren kann - obwohl das natürlich erst für die Zeit nach dem Ende der Megamachtepoche ansteht, da die Megamächte erst ihre Kapazität soweit ausgeschöpft haben müssen, dass die innere Bereitschaft zu einem Beitritt groß genug ist, um die Integration auch tatsächlich zu wollen.

 

3.  Sie muss in der Lage sein die "Raumfrage" zu beantworten, d.h. die Möglichkeit eines großen Krieges zwischen den Megamächten, der irgendwo im "Solaren Raum" (der Raumkugel mit einem Radius von 10 Mrd. Kilometern, deren Zentrum die Sonne bildet) stattfinden könnte, vorbeugend auszuschließen.

 

4. Sie soll der harten Dualitätsphase der Megamächte psychologisch die Spitze brechen, indem sie durch ihre eigene Existenz glaubhaft die Keimzelle eines geeinten Planeten repräsentiert. Auf diese Weise soll ein allgemeines "Terranisches Identitäts-Bewusstsein" nicht nur etabliert, sondern repräsentiert und institutionalisiert werden, das die Megamächte in ihrer Konkurrenzauseinandersetzung als notwendigen Teil einer übergeordneten Entwicklung begreift.

 

Und je deutlicher dieses allgemeine Bewusstsein, dem sich ja auch die Megamächte selbst nicht entziehen können, bereits zu Beginn der Megamachtepoche etabliert ist, desto geringer die Gefahr der Verabsolutierung der je eigenen Position einer oder beider Megamächte.

 

Denn wenn man sich, obwohl man ein in der Geschichte bis dahin nicht gekanntes Machtpotential repräsentiert, auch nur wieder als eine Phase eines übergeordneten Entwicklungszusammenhanges begreifen muss, werden die Ansprüche, die man, und das Selbstgefühl mit dem man sie, durchzusetzen versucht, automatisch relativiert und die Gefahren, die das Abgleiten in Absolutheitspositionen mit sich bringt, entsprechend verringert.

 

Das sind nicht gerade bescheidene Ansprüche - wie also soll eine politische Identität aussehen, die in der Lage ist diesen Ansprüchen zu genügen? Bereits am Anfang des weltanschaulichen Teils unseres Parteiprogramms haben wir als Grundelemente unserer Weltanschauung die Vorstellung eines jedem Menschen innewohnenden "Identitätsmusters" und das Konzept von "Ganzheit und Teilen" dargestellt. Mit Hilfe dieser beiden Elemente lässt sich eine politische Identität, die den oben formulierten Ansprüchen genügt, zumindest in ihrer Grundkonzeption beschreiben. Nach dem Konzept von "Ganzheit und Teilen" lässt sich als eine erste Aussage formulieren:

 

Die anzustrebende politische Identität lässt sich wie jede andere politische Identität als "Ganzheit" definieren, die aus "Teilen" besteht. Und da sie so angelegt sein soll, dass sie letztlich alle Identitäten des Planeten integrieren können soll, kann man sie somit als "planetare Ganzheit" definieren.

 

Damit stellt sich die Frage, wie die "Teile" einer solchen "planetaren Ganzheit" aussehen sollen? Sollen es beispielsweise "Nationen" sein im Sinne des Konzeptes der "Vereinten Nationen"? Obwohl das theoretisch vielleicht möglich wäre, halten wir es dennoch für unrealistisch. Denn wenn die "Ganzheit" in ihrem inneren Aufbau halbwegs ausgeglichen sein soll, dann sollten auch die sie konstituierenden "Teile" von wenigstens näherungsweise vergleichbarer Kapazität sein.

 

Und da zwei dieser "Teile" irgendwann die künftigen Megamächte China und Indien sein werden, lassen sich von deren Kapazität an politischer Macht die Maßstäbe gewinnen, an denen sich die Konzeption der "Teile" orientieren muss, welche die, durch die EU anzustrebende, künftige "planetare politische Ganzheit" einmal konstituieren sollen. Nun haben wir im Abschnitt über die Kategorie "politische Macht" die "Bevölkerungsgröße" und danach die "Wirtschaftskraft" als wichtigste Parameter eben dieser Kategorie identifiziert.

 

Folglich sind diese beiden Parameter, insbesondere die "Bevölkerungsgröße" (da sie über die Anzahl der Wirtschaftssubjekte die Größe des Binnenmarktes definiert), erstes Orientierungskriterium für die Konzeption der übrigen "Teile" - außer China und Indien. Nimmt man China mit seiner Kapazität von 1,3 Mrd. Menschen als "große Megamacht", dann kann man für eine "kleine Megamacht" etwa 400 Mill. Menschen und für eine "mittlere Megamacht" 800 Millionen Menschen als Schwellenwert ansehen.

 

Aus dieser Sicht sollten also die "Teile" der anzustrebenden "planetaren politischen Ganzheit" eine Binnenmarktkapazität von rund 800 Mill. Menschen - also der Größe einer "mittleren Megamacht" entsprechend - haben. Dieses Denken in "Binnenmarktgrößen" scheint der Vorstellung einer "planetaren politischen Ganzheit", die ja auch einen einheitlichen planetarischen  Markt repräsentiert, zu-nächst zuwiderzulaufen. Aber eine planetare politische Identität, die nach dem Prinzip von "Ganzheit und Teilen" aufgebaut ist, entspricht im Kern dem uns in der Bundesrepublik vertrauten föderalen Staatsaufbau. Und da zeigt die Erfahrung, dass ein Staatsaufbau, bei dem einige Länder mit zu geringer ökonomischer Kapazität über den Finanzausgleich zu Dauerkostgängern weniger Länder von ausreichender ökonomischer Kapazität werden, eine Quelle permanenten, ebenso unerfreulichen wie unergiebigen, Streites ist.

 

Schon um eine solche, wie unsere eigene Erfahrung eben zeigt, später praktisch nicht mehr zu korrigierende Dauerkonfliktsituation zu vermeiden, sollte bei der Konzeption der "Teile" der "planetaren politischen Ganzheit" darauf geachtet werden, dass sie von ihrer Größe her in der Lage sind ihre Aufgaben zu erfüllen und nicht aufgrund zu geringer Kapazität zu Dauerkostgängern anderer, und damit zu entsprechenden (vermeidbaren) Streitquellen, werden.

 

Zweites, und nicht weniger wichtiges, Orientierungskriterium für die Konzeption der "Teile" ist eine kulturell und/oder historisch und/oder geographisch nachvollziehbare Zusammengehörigkeit der in den "Teilen" wiederum integrierten politischen Identitäten - denn die "Teile" der "planetaren politischen Ganzheit" sind ja ihrerseits auch wieder "politische Ganzheiten", die sich aus "Teilen" zusammensetzen. Und diese wiederum sind identisch mit den meisten der heute auf der Erde vorhandenen Staaten.

 

Anhand dieser beiden Orientierungskriterien haben wir, einschließlich China und Indien, sieben Megamachtbereiche konzipiert, die wir als "Teile" einer "planetaren politischen Ganzheit" für geeignet halten. Dabei handelt es sich in alphabetischer Reihenfolge um:

 

1. Afrika        Das sind die Staaten Schwarzafrikas bis zur Grenzscheide der Sahara.

                       

2. Amerika    Das sind alle Staaten der geographischen Teilbereiche Nord-, Mittel- und Südamerika.

 

3. Aseanien Das sind alle Staaten im Dreieck Bangladesh-Japan-Australien, deren Gemeinsamkeit darin liegen wird, die Konkurrenzauseinandersetzung der Megamächte China und Indien schon aus geographischen Gründen am unmittelbarsten und wohl auch am stärksten erleiden zu müssen.

 

4. China

 

5. Eurasien  Das sind die Staaten zwischen Portugal im Westen und der Ostgrenze der ehemaligen UdSSR - also im Kern die heutige EU, die restlichen Staaten Europas', sowie Russland und die Nachfolgestaaten der UdSSR, die einer solchen "Identität" beitreten möchten.

 

6. Indien

 

7. Islamia      Das wären alle Staaten des Gürtels islamisch geprägter Kulturen zwischen Marokko im Westen und Pakistan im Osten. "Islamia" ist natürlich nur ein willkürlich gewählter Kunstbegriff, um dem Kind einen Namen zu geben, und kein Vorgriff auf eine tatsächliche spätere Bezeichnung.

 

Auf der später noch folgenden Strukturgrafik zu den hier entwickelten Vorstellungen ist ein zusätzlicher Sektor "Sondergebiete" ausgewiesen, dem all die Identitäten zugeordnet sind, die,  aus welchen Gründen aus immer, nicht Teil einer der Megamachtbereiche sein wollen oder können. Solche Bereiche könnten beispielsweise Identitäten wie das zur Zeit von China besetzte Tibet und das von Indien besetzte Kaschmir sein. Der Ausdruck "Pufferidentität" klingt zwar nicht schön, trifft aber wohl am ehesten die funktionelle Notwendigkeit aus der heraus bestimmte Identitäten sich besser der Zugehörigkeit zu einer der obigen Megamachtbereiche enthielten.

 

Nachdem wir nun eine Vorstellung entwickelt haben, wie die "Teile" einer "planetaren politischen Ganzheit" aussehen könnten, bleiben eigentlich "nur noch" zwei Fragen offen:

 

 

                                 1. Wie sollte die EU einen politischen Prozess initiieren, der zur Entstehung einer solchen "planetaren politischen Ganzheit" führt?

 

                                 2. Und wie bringt man die EU, ausgehend von unserer politischen Jetztzeit, dazu, einen solchen Prozess zu initiieren?

 

 

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