Großmacht - Supermacht - Megamacht

 

 

Betrachtet man nun den tatsächlichen Geschichtsverlauf seit dem Beginn des von uns behaupteten, unbewusst ablaufenden, Menschheitseinigungsprozesses seit 1492/1500 unter dem Aspekt der eben dargestellten Kategorie "politische Macht", sowie dem der zuvor dargestellten drei verschiedenen "Ordnungsmuster", so lässt sich eine Identität bestimmter Potentiale "politischer Macht" mit bestimmten Phasen des sechsteiligen Ordnungsmusters erkennen.

 

So läuft die 3. Phase unseres sechsteiligen Ordnungsmusters von 1792/1800 bis 1942/ 1950. Das aber ist genau die Zeit in der das "Großmachtpotential" der klassischen Großmächte Großbritannien und Frankreich die weltpolitischen Rahmendaten definierte. Und exakt mit Beginn der 4. Phase - nach unserer Konzeption von 1942/1950 bis 2092/ 2100 laufend - tritt ein neues Potential politischer Macht, nämlich das Supermachtpotential (repräsentiert durch die USA und die zwischenzeitlich implodierte UdSSR) auf den Plan der Geschichte, und bestimmt seither die weltpolitischen Rahmendaten.

 

Wenn man aber die 3. Phase mit dem Großmachtpotential und die 4. Phase mit dem Supermacht-potential identifiziert, stellt sich nahezu automatisch die Frage, ob auch die 5. und die 6. Phase durch ein bestimmtes Potential politischer Macht definiert werden können - und wenn ja, welches? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns über die Kapazitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Machtpotentialen klar werden; über die Frage also, ab wann man denn nun tatsächlich von einem neuen, epochenbestimmenden Machtpotential sprechen kann?

 

Und da wir als Beispiele ja nur auf die Großmacht- und Supermachtepoche zugreifen können, halten wir uns an die konkreten Repräsentanten der Machtpotentiale dieser beiden Epochen. Vergleicht man also die Potentiale von Großbritannien und Frankreich als Repräsentanten des Großmachtpotentials mit den Potentialen der USA und der UdSSR als Repräsentanten des Supermachtpotentials unter dem Gesichtspunkt des wichtigsten Indikators der Kategorie "politische Macht", der Bevölkerungsgröße, dann kann man formulieren:

 

Grundbedingung eines Quantensprunges von einem epochenprägenden Machtpotential zu einem neuen, epochenprägenden Machtpotential, ist eine Bevölkerungskapazität, die um einen Faktor 4 über derjenigen der Repräsentanten des bis dahin bestimmenden Machtpotentials liegt.

 

Bezogen auf die gegenwärtige "Supermachtepoche" und ihren einzig verbliebenen Repräsentanten USA, mit einer Bevölkerung von der Einfachheit halber abgerundeten 250 Millionen Menschen, hieße das:

 

Ein neues, epochenprägendes Machtpotential, das in der Lage wäre, das "Supermachtpotential" historisch abzulösen, müsste sich - als Grundvoraussetzung auf eine Bevölkerungskapazität von (4 x 250 Mio.) = 1 Milliarde Menschen stützen können!

 

Und damit zur Preisfrage: Wie viele Staaten gibt es, die diese Grundbedingung erfüllen? Der erste Staat, der sie - mit einer Bevölkerung von rund 1,3 Mrd. Menschen - erfüllt, ist China. Der zweite Staat, der sie - mit einer Bevölkerung von mehr als 1 Milliarde Menschen – mittlerweile ebenfalls erfüllt, ist Indien. Und der dritte Staat, der diese Bedingung erfüllt .. - ist nicht Sicht!

 

Das bedeutet: Wenn diese beiden Staaten in ihrer ökonomischen Entwicklung mit dem Niveau der USA gleichgezogen haben werden, werden sie zumindest die vierfache Kapazität der einzig heute verbliebenen Supermacht USA besitzen. Stellt man zudem noch in Rechnung, dass es, trotz bereits erfolgter bevölkerungspolitischer Eingriffe, noch geraume Zeit dauern wird, bis diese Staaten den demographischen Übergang durchlaufen haben und die Zuwachsraten auf die in den industrialisierten Staaten üblichen Minimalzahlen gefallen sind, wird die Bevölkerung noch um einiges wachsen - der Kapazitätsüberschuss gegenüber dem Supermachtpotential, zumindest was China betrifft, damit also eher bei einem Faktor 5 als "nur" bei einem Faktor 4 liegen wird.

 

Unsere Ausgangsfrage, ob auch die 5. Phase unseres sechsteiligen Ordnungsmusters durch ein bestimmtes Potential "politischer Macht" definiert werden kann, beantworten wir daher mit einem eindeutigen "Ja". Und um dieses neue Potential nun auch auf einen Begriff zu bringen, bezeichnen wir es im weiteren als "Megamachtpotential", die dadurch definierte 150-Jahr-Phase als "Megamachtphase bzw. -epoche" und seine konkreten politischen Repräsentanten, China und Indien, entsprechend eben als "Megamächte".

 

Damit haben wir nun drei Phasen unseres sechsteiligen Ordnungsmusters durch ein jeweils bestimmtes Potential "politischer Macht" definiert - was ist mit den restlichen drei Phasen? Wie lassen sich diese definieren, und wie fügen sie sich in den Gesamtprozess "Menschheitsschwangerschaft" ein?

 

Zunächst zur 6. Phase, die, gemäß unserem Modell, von 2242/2250 bis 2392/2400 laufen würde. Die Definition der Phasen 3, 4 und 5 im Sinne eines bestimmten Potentials "politischer Macht" orientierte sich immer an den konkreten Potentialen konkreter Staaten, die entweder existieren, oder, wie im Falle der UdSSR, existiert haben.

 

Nach diesem Muster können wir bei der sechsten Phase nicht mehr verfahren, denn ganz offensichtlich gibt es keinen konkreten Staat, dessen Bevölkerungspotential dasjenige Chinas und Indiens überstiege. Es gibt also kein konkretes Potential, aber nichtsdestotrotz ein denkbares Potential, welches das von China und Indien zu übersteigen in der Lage wäre: das Potential eines geeinten Planeten!

 

Und entsprechend sehen wir auch die 6. Phase als durch eben dieses Potential eines geeinten bzw. sich einigenden Planeten definierbar an. Wie man dieses dann benennen will, ob man von "Gigamachtpotenzial" oder "planetarem Machtpotential" sprechen will, soll uns hier nicht weiter bewegen, denn ohnehin wird es in dieser Phase "nur" noch um die Vollendung des Einigungsprozesses gehen, wohingegen die Möglichkeit, in unserer politischen Gegenwart die Umwandlung dieses Prozesses von einem unbewusst ablaufenden zu einem bewussten und damit politisch steuerbaren Prozess gestalten zu können, ja eigentlicher Gegenstand unserer Überlegungen ist. Wenden wir uns daher noch kurz der Betrachtung der ebenfalls noch nicht näher definierten 1. und 2. Phase zu.

 

Phase 1 und Phase 2 unseres sechsteiligen Ordnungsmusters im Sinne eines bestimmten Machtpotentials definieren zu wollen, macht wenig Sinn, denn dazu sind die Unterschiede nicht groß, die Brüche zum jeweils vorhergehenden Zustand nicht stark genug. Warum das so ist, kann man sich an einem Bild relativ leicht klar machen. Stellen Sie sich dazu einfach einen Luftballon vor. Dieser Ballon trage auf seiner Hülle einen Aufdruck - einen Schriftzug beispielsweise oder auch ein Bildmotiv.

 

Solange nun noch keine Luft im Ballon ist, können Sie zwar erkennen, dass die Hülle mit irgendetwas bedruckt worden ist - was das aber ist, können Sie erst erkennen, wenn genügend Luft in den Ballon gepumpt worden ist, bis er sich soweit vergrößert hat, dass das Muster klar zu identifizieren ist. Bezogen auf den Einigungsprozess müssen wir nur den "Faktor Luft" durch den "Faktor Zeit" ersetzen, denn so, wie erst die Luft den Ballon aufblasen muss, damit man den Aufdruck klar erkennen kann, muss auch der Faktor Zeit den Einigungsprozess erst bis zu einem bestimmten Grad "aufblasen" oder "entfalten", bis dessen Struktur deutlich zu erkennen ist

 

Wenn wir hier also auf eine Definition der Phasen 1 und 2 im Sinne eines bestimmten Potentials "politischer Macht" verzichten, heißt das nicht, dass die Phaseneinteilung an sich deshalb auch nicht mehr stimmig wäre. Denn halten wir uns an die Phaseneinteilung, fällt der Wechsel von der 1. zur 2. Phase in die Zeit zwischen 1642 bis 1650. Das aber ist die Endphase des Dreißigjährigen Krieges, die mit dem Westfälischen Frieden (1648) eine Neuordnung der europäischen Machtverhältnisse brachte, die in ihren Grundelementen bis zur Französischen Revolution stabil blieb. Unserer Ansicht nach eine hinreichende Bestätigung unserer Phaseneinteilung.

 

 

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