EINIGUNGSMUSTER
Das erste Grundelement unserer Weltanschauung, die
Schlüsselanalogie zwischen individueller menschlicher Person und kollektiver
politischer Person “Menschheit”, hat uns den Rahmen eines übergeordneten Entwicklungsmusters
gegeben, demzufolge wir uns seit 1492/1500 in einer Entwicklungsphase befinden,
die dem entspricht, was wir beim individuellen Menschen als “Schwangerschaft”
kennen, und die wir in Entsprechung dazu als “Menschheitsschwangerschaft”
bezeichnen.
Dem Ansatz der Analogie folgend
dauert diese Phase theoretisch bis 2392/2400, also rund 900 Jahre. Damit wissen
wir zwar, wann diese Phase beginnt und wie lange sie dauert, aber nichts über
ihre innere Ablaufstruktur. Wollen wir darüber mehr erfahren, müssen wir sehen,
ob und wie weit wir diese Entwicklungsphase “Menschheitsschwangerschaft” in
weitere, aussagefähige Entwicklungsabschnitte zerlegen können.
Nun ist die einfachste Möglichkeit eine geschlossene Phase zu
gliedern die, dass man sie durch zwei oder größere Teiler teilt und schaut,
inwiefern sich durch diese Teilung(en) sinnvolle Unterphasen erkennen und
definieren lassen. Das haben wir, beginnend bei eben dieser Möglichkeit der
Zweiteilung, nach dem Prinzip von “Versuch und Irrtum” getan, und sind dabei
auf drei aussagefähige, jeweils mehrphasige Muster gestoßen, die wir
nach-folgend kurz darstellen wollen.
Das zweiteilige Ordnungsmuster
Das zweigliedrige Ordnungsmuster teilt
die Gesamtphase "Menschheitsschwangerschaft" in zwei Teilphasen zu je
450 Jahren ein. Die erste Phase verstehen wir dabei als
Desintegrationsphase, die zweite als Integrationsphase. Wie ist das gemeint?
Beispiel: Wenn Sie ein Gebäude errichten wollen, dann bestimmt die Art des
Gebäudes die Art der Baustoffe, die zum Bau benötigt werden.
Einen Wolkenkratzer wie den
Frankfurter Messeturm etwa, bauen Sie nicht aus Holz, Lehm und Stroh, sondern
aus Beton, Glas und Metall. Diese Baustoffe aber liegen nicht irgendwo in der
Landschaft herum, sondern sie haben, jeder für sich, vom Rohstoff bis zum
Endprodukt einen mehr oder weniger langen und komplexen Entwicklungsprozess zu
durchlaufen, bis sie endlich die Form erreichen, in der sie als Baustoffe
verwendet werden können.
Um etwa ein bestimmtes Metall als
Baustoff zu erhalten, müssen Sie ein entsprechendes Erz als Rohstoff gewinnen.
Nehmen wir an, es handele sich um ein Erz, das sich im Tagebau gewinnen lässt.
Dann müssen Sie das erzhaltige Gestein aus dem Umgebungsgestein
heraussprengen, es zer-kleinern und im
Hochofen das Eisen vom Gestein lösen.
Dieser Prozess der
Rohstoffgewinnung entspräche dabei dem, was wir eingangs als Desintegrationsphase
bezeichnet haben. Die Rohstoffe als Ausgangsmaterial müssen also erst einmal abgebaut
und dann noch mehrmals umgebaut werden, bis sie eine Form angenommen
haben, in der sie zum Bau des Gebäudes verwendet werden können.
Den
inhaltlich gleichen Prozess erleben wir während der gesamten Entwicklungsphase
"Menschheitsschwangerschaft". Nur dominiert hier eben in der ersten
Hälfte des Prozesses anstelle des Abbaues irgendwelcher mineralischer Rohstoffe
eben der Ab- bzw. Umbau politischer Identitäten, während in der zweiten Hälfte
dann deren Aufbau, im Sinne der Integration zu Teilen, aus denen sich
dann am Ende eine planetare politische Ganzheit fügen lässt, zu
dominieren beginnt. Und was, um bei unserem obigen Beispiel zu bleiben, beim
Bau eines Wolkenkratzers die Baustoffe sind, sind beim Aufbau der
"Menschheit" als politischer Identität eben die politischen
Identitäten, aus denen sie aufgebaut wird.
Machen wir
die Probe aufs Exempel und gehen wir von unseren angenommenen beiden
Startzeitpunkten 1492 und 1500 vierhundertfünfzig Jahre in die (damalige)
Zukunft. Wo landen wir? In der Zeit zwischen 1942 und 1950. Wenn unsere
Ansichten auch nur halbwegs stimmig sind, müssten sich dort also Ereignisse,
bzw. eine Ereignisverdichtung finden lassen, die den Höhepunkt der
Desintegrationsphase, aber auch den Beginn der Integrationsphase, hinreichend
glaubhaft symbolisieren. Und ohne schamrot werden zu müssen, können wir wohl
als Höhepunkt der Desintegrationsphase folgende Ereignisse interpretieren:
- den Gipfel- und Wendepunkt des II.
Weltkrieges (Beginn des
Rußlandfeldzugs,
Eintritt der USA in den II.WK gegen Deutschland und
Japan
1941, sowie psychologische Kriegswende in Stalingrad 1943)
- das Ende des II. Weltkrieges in Europa
1945 mit der Folge des
Endes
einer europäisch dominierten Weltordnung, sowie das
Ende
der alten Kolonialreiche und der damit eingeleiteten Neu-
ordnung
ihres ehemaligen Kolonialbesitzes in Afrika und Asien.
- das Ende des II. Weltkrieges in Asien
(Atombombenabwurf
auf
Hiroshima und Nagasaki) und die auch dadurch eingeleitete
Neuordnung
der gesamten asiatischen Staatenwelt.
Als Beginn
der Integrationsphase lassen sich - natürlich mit den eben genannten
Ereignissen in Zusammenhang stehend und "vermischt" - folgende
Ereignisse interpretieren:
- Gründung der UNO (1945)
- Unabhängigkeit Indiens (1947)
- Gründung der VR China (1949)
- Gründung der "Europäischen
Parlamentarier
- Union" (1947,
der
"Europäischen Bewegung"
(1948)
oder auch der "Montan-
Union"
(1951) - allesamt Vorläufer
der heutigen EU.
Dass dabei
die Ereignisse, die die Integration symbolisieren, im Vergleich zu denjenigen,
die die Desintegration symbolisieren, eher etwas mickrig ausschauen, liegt in
der Natur der Sache: Der Anfang von etwas Großem ist in der Regel immer
unscheinbarer als das Ende von etwas Großem. Wenn Sie beispielsweise einen 200
Meter hohen, alten Wolkenkratzer sprengen, wird das zunächst auch wesentlich
eindrucksvoller erscheinen, als die nebenan stattfindende Grundsteinlegung
eines neuen Wolkenkratzers - auch wenn dieser später einmal 500 Meter hoch sein
wird.
Fassen wir
kurz zusammen: Das zweiteilige Ordnungsmuster beschränkt sich in seiner
Aussage auf die Einteilung der Gesamtphase
"Menschheitsschwangerschaft" in zwei Teil-phasen. Eine Desintegrationsphase
von 1492/1500 - 1942/1950, in der Abbau- und Umbauprozesse politischer
Identitäten dominieren, und eine Integrationsphase von 1942/1950 - 2392/2400,
in der die Integrationsprozesse politischer Identitäten hin zu einer - im Sinne
einer planetaren politischen Ganzheit - geeinten politischen Identität
"Menschheit" dominieren.
Das dreiteilige Ordnungsmuster
Das
dreiteilige Ordnungsmuster gliedert den Gesamtprozess
"Menschheitsschwangerschaft" in drei Teilphasen zu je 300 Jahren:
- eine Aufbauphase von 1492/1500 -
1792/1800
- eine Entfaltungsphase von 1792/1800 -
2092/2100
- eine Vollendungsphase von 2092/2100 -
2392/2400
Die inhaltliche
Unterscheidung in Aufbau-, Entfaltungs-
und Vollendungsphase orientiert sich dabei am klassischen Muster, das Sie
vielleicht noch aus der Schule kennen. Beim Verfassen von Aufsätzen lernte man
dort das entsprechende Schema als "Einleitung-Hauptteil-Schluß"
kennen. Genauso kann man es aber auch in den Jahreszeiten (bzw.
Entwicklungsrhythmen) der Natur erkennen: Frühling-Sommer-Herbst (der Winter
fällt hier insofern heraus, weil seine Prozesse sich auf das Nicht-Sichtbare,
Unterirdische beziehen).
Zusammen
mit dem zweiteiligen Ordnungsmuster erlaubt das dreiteilige Ordnungsmuster
folgende inhaltliche Darstellung des Gesamtprozesses
"Menschheitsschwangerschaft":
Der Einigungsprozess gliedert sich, einem klassischen
Muster folgend, in eine Aufbau-, Entfaltungs- und
Vollendungsphase zu je 300
Jahren Dauer. Wahrend der gesamten Aufbauphase, sowie der ersten Hälfte der
Entfaltungsphase ist er dabei, durch die parallel verlaufende erste Phase des
zweiteiligen Ordnungsmusters, als desintegrierender Prozess definiert. Und zwar
im Sinne eines Abbau- und Umwandlungsprozesses politischer Identitäten, dessen
Ziel in der Herstellung der wesentlichen "Identitätsbausteine" liegt,
aus denen eine politische Identität Menschheit erst aufgebaut werden soll.
Während der zweiten Hälfte der Entfaltungsphase, sowie
der ganzen Vollendungsphase, ist der Einigungsprozess ein integrativer Prozess,
d.h. die Identitäten aus denen eine politische Identität "Menschheit"
einmal aufgebaut sein soll, sind im Kern weitgehend entstanden; jetzt geht es
darum, sie schrittweise - gemäß dem Grundmuster aus dem Abschnitt
"Ganzheit und Teile" - solange zu Ganzheiten zu integrieren, bis in
einem letzten Schritt aus einer überschaubaren Anzahl Ganzheiten, die als Teile
einer planetaren politischen Ganzheit "Terra" geeignet sind,
die "Menschheit als politische Identität" geboren werden kann.
Das
sechsteilige Ordnungsmuster gliedert die gesamte Entwicklungsphase
"Menschheitsschwangerschaft" in sechs Abschnitte zu je 150 Jahren. In
seiner Aussage bezieht es sich nicht mehr nur auf eine Einteilung in allgemeine
abstrakte Entwicklungsschritte, sondern - vor allem in den Phasen 3, 4 und 5 -
direkt auf bestimmte politische Identitäten, die den Einigungsprozess als
konkret handelnde Akteure vorantreiben, - ohne sich jedoch darüber bewusst zu
sein.
Sie
verfolgen Interessen - nämlich ihre eigenen - deren sie sich sehr wohl bewusst
sind. Doch während und indem sie ihre Interessen durchzusetzen versuchen,
verwirklichen sie gleichzeitig ein übergeordnetes Entwicklungsmuster, dessen
sie sich keineswegs bewusst sind. Dieses Muster darzustellen,
wollen wir in den folgenden Abschnitten versuchen...
MENSCHHEITSSCHWANGERSCHAFT



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