Identitätsmuster

 

Es gibt Phänomene des Alltagslebens, die zwar jeder kennt, die aber in ihrer Bedeutung vielleicht gerade deswegen chronisch unterschätzt werden. Dazu gehört die Tatsache, dass jeder Mensch sich mit einer ganzen Reihe von politischen Identitäten identifizieren kann,  die ganz unterschiedliche Ebenen repräsentieren. So dürfte es für einen durchschnittlichen Mitteleuropäer kein Problem darstellen, sich mit seiner Familie, seiner Stadt, seiner Region (= das, was man in der Bundesrepublik unter einem Bundesland versteht) und seiner Nation zu identifizieren.

 

Die aktuelle Begrifflichkeit kollektiver Identitäten bzw. Identitätsqualitäten endet leider beim letztgenannten Begriff der "Nation", respektive des "Nationalstaats" als der politisch organisierten Form der Identitätserfahrung "Nation". Nun ist beispielsweise der Nationalstaat Deutschland offensichtlich größer als jedes seiner Länder. Mithin repräsentieren die Bundesländer eine Identitätsqualität, die unterhalb einer Ebene liegt, die durch die Identitätsqualität "Nation" definiert wird. Wird daher versucht, die spezielle Identitätsqualität dieser Bundesländer zu erfassen, spricht man nicht von "Nationen", sondern von "Stämmen".

 

So weit, so gut. Spätestens aber, wenn wir vom Begriff des "Nationalstaates Deutschland" in die Gegenrichtung, nach "oben", nach Europa, gehen, kommen wir in begriffliche Schwierigkeiten. Denn was ist Europa ... seiner Identitätsqualität nach? Eine "Nation" kann es ja nicht sein, denn es repräsentiert ja eine Identitätsqualität, die oberhalb der Ebene liegt, die durch die Identitätsqualität "Nation" definiert wird. Wäre es nicht so, könnte es ja auch keine Nationen bzw. Nationalstaaten, integrieren, denn, wie wir schon im Abschnitt "Ganzheit und Teile" dargestellt haben:

 

Das Integrierende muss größer sein, als das Integrierte.  Das heißt, die integrierende Ganzheit muss ein "mehr an Einheit" gegenüber den Ganzheiten aufweisen, die sie als Teile integrieren soll!

 

Es besteht also Definitionsbedarf im Sinne einer Definition von Identitätsqualitäten, denn wenn man keinen Begriff der Identitätsqualität einer geeinten Erde hat ... wie soll man dann eine Vorstellung eines politischen Prozesses entwickeln, der zu einer geeinten Erde führen könnte? Daher haben wir, basierend auf dem Konzept von "Ganzheit und Teilen" und ausgehend von der Person als unteilbarer politischer Grundidentität, das folgende Identitätsmuster entwickelt:

 

 

STELLATION

... ist diejenige Ganzheit, deren Teile Planeten oder Planetensysteme sind

PLANETION

... ist diejenige Ganzheit, deren Teile Metationen sind

METATION

... ist diejenige Ganzheit, deren Teile Nationen sind

NATION

... ist diejenige Ganzheit, deren Teile Stämme sind

STAMM

... ist diejenige Ganzheit, deren Teile Sippen sind

SIPPE

... ist diejenige Ganzheit, deren Teile Familien sind

FAMILIE

... ist diejenige Ganzheit, deren Teile Personen sind.

PERSON

... ist das Grundelement aller kollektiven Identitäten

 

 

Ein solches hierarchisches Identitätsmuster existiert in jeder menschlichen Person; wäre es nicht so, wären schon Phänomene wie etwa Nationalstaaten nicht zu erklären, ganz zu schweigen von politischen Gebilden, die darüber hinausgehen, wie etwa die Europäische Union. Kollektive Identitäten wie eben Nationalstaaten oder “Metationen”, wie die EU, die nicht durch Zwang und Gewalt zusammengehalten werden, leben von der Identifikation individueller Personen mit ihnen.

 

Das aber bedeutet: Individuelle Personen investieren psychische Energie in die Entstehung und Erhaltung dieser Identitäten. Energie, die nur dieser jeweils spezifischen, kollektiven Identitätsqualität zugeordnet werden kann. Womit wir auch hier beim praktischen Nährwert angekommen sind: Will man eine geeinte Erde schaffen, muss man das “schlafende” Energiepotential der entsprechenden Identitätsqualitätsebene >wecken< und ihm gleichzeitig ein entsprechendes politisches Formangebot machen, in dessen Aufbau, Gestaltung und Erhaltung es abfließen kann. Auf den genauen Ablauf gehen wir im Kapitel Einigungsmechanik ein.

 

Nachzutragen bleibt, dass obiges Muster natürlich nur ein absolutes Grundmuster darstellen soll und kann - die tatsächliche politische Entwicklung hat natürlich auch zu speziellen politischen Identitäten (etwa Fürstentümer wie Monaco und Liechtenstein, oder Identitäten wie die Schweiz oder Belgien, um nur im europäischen Bereich zu bleiben) geführt, zu deren Einordnung das Grundmuster um entsprechende Zwischenebenen erweitert werden müsste. Da wir aber nur ein Prinzip verdeutlichen wollen, reicht das Muster für unsere Zwecke aus.

 

 

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