Das Resonanzgesetz

 

 

Wir alle kennen aus der Physik den Begriff der Resonanz (lateinisch:resonare = zurückklingen). Eine Stimmgabel schwingt bei einem Ton nur dann mit, wenn der Ton ihrer Eigenfrequenz entspricht. Ist dies nicht der Fall, dann ist der Ton für die Stimmgabel gar nicht vorhanden, denn sie kann ihn nicht wahrnehmen. Ein Radioempfänger, der auf Mittelwelle abgestimmt ist, wird auf Grund seiner Resonanz nur Mittelwelle empfangen. UKW und Langwelle kann er nicht kennen lernen, sie gehören deshalb auch nicht zu seinem "Weltbild". Ebenso braucht der Mensch für jede Wahrnehmung in sich selbst eine Entsprechung, die in der Lage ist, "mitzuschwingen" und ihm durch diese Resonanz erst die Wahrnehmung ermöglicht. Goethe formuliert dies in dem Satz: "Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken; läg nicht in uns des Gottes eigene Kraft, wie könnt uns Göttliches entzücken?"

 

  Diese Formulierung Goethes verlässt bereits die rein physikalische Ebene der Resonanzfähigkeit und überträgt damit das Gesetz der Resonanz analog auf das Gebiet, welches uns hier interessiert. Jeder Mensch kann immer nur jene Bereiche der Wirklichkeit wahrnehmen, für die er eine Resonanzfähigkeit besitzt. Dies gilt nicht nur für den Bereich der rein sinnlichen Wahrnehmung, sondern für die gesamte Erfassung der Wirklichkeit. Da alles, was außerhalb der eigenen Resonanzfähigkeit liegt, nicht wahrgenommen werden kann, existiert es auch für den betreffenden Menschen nicht. Deshalb glaubt jeder Mensch, dass er die Gesamtheit der Wirklichkeit kennt und es außerhalb dessen nicht mehr gebe. Wenn jemand ein Buch liest, glaubt er, das Buch ganz zu verstehen, obwohl er nur jeweils von dem Gelesenen das aufnehmen kann, was sich mit seinem derzeitigen Bewusstseinsstand in Einklang befindet. Dass dies so ist, erkennt man am besten, wenn man bestimmte Bücher nach Jahren noch einmal liest. Das Bewusstsein hat sich in diesen Jahren erweitert, weshalb man nun das Buch "noch besser" versteht.

 

  All die geschilderten Zusammenhänge sind wohl jedem einigermaßen geläufig und einsichtig und sollen deshalb auch nur zur Verdeutlichung des Prinzips dienen, das wir nun ebenfalls auf das Schicksal im Allgemeinen anwenden wollen. Man kann immer nur mit den Ideen, Menschen und Situationen in Berührung kommen, für die wir eine Eigenresonanz oder, wie wir es in Zukunft nennen wollen, eine Affinität mitbringen. Ohne die entsprechende Affinität kann es niemals zu einer Manifestation kommen. Gerät jemand in einen Streit oder in eine Schlägerei so geschieht dies niemals zufällig, sondern immer nur auf Grund der eigenen Affinität zu einem solchen Erlebnis. Die Schuld für die etwaigen Folgen einer solchen Schlägerei trägt demnach auch der, der von sich annimmt, dass er ganz unschuldig in diese Rauferei verwickelt worden sei. Ohne die entsprechende Affinität hätte er aber gar nicht verwickelt werden können. Wird jemand auf der Straße angefahren, so ändert auch die rein rechtliche und funktionale Schuld des anderen nichts an der Tatsache, dass der Angefahrene für dieses Erlebnis reif war, sonst hätte dieses Ereignis nicht in seinen Erfahrungsbereich treten können.

 

 

vorherige Seite: Polaritätsgesetz   HOME   nächste Seite: Similegesetz