Das Analogiegesetz: wie oben, so unten

 

 

Uns interessiert an dieser Stelle vorläufig nur die These 2: "Dasjenige, welches Untern ist, ist gleich demjenigen, welches Oben ist: Und dasjenige, welches Oben ist, ist gleich demjenigen, welches Unten ist, um zu vollbringen die Wunderwerke eines einzigen Dinges." Diese Aussage, die meist verkürzt mit den Worten "wie oben, so unten" wiedergegeben wird, ist der Schlüssel zur hermetischen Philosophie. Dahinter steht die Annahme, dass überall in diesem Universum, oben und unten, "im Himmel und auf Erden", im makrokosmischen wie im mikro-kosmischen Bereich, auf allen Ebenen der Erscheinungsformen die gleichen Gesetze herrschen.

 

Wir können beispielsweise im Bereich unserer Wahrnehmungen immer nur Ausschnitte aus einem Kontinuum erkennen, wir sehen nur einen kleinen Teil des Lichtspektrums, hören nur die Frequenzen, die innerhalb eines bestimmten Bereiches liegen. Manche Tiere können Töne und Farben wahrnehmen, die dem Menschen ohne Hilfsmittel unzugänglich sind. Ebenso verhält es sich mit der Vorstellungskraft. Wir können uns nur mittlere Größendimensionen vorstellen - ist jedoch etwas sehr klein oder sehr groß, so können wir es zwar häufig noch in Formeln fassen, können uns aber nichts mehr darunter vorstellen

 

So wissen wir heute beispielsweise, dass ein Eisenblock fast nur aus Zwischenräumen besteht, die von den atomaren Teilchen umkreist werden. In der Relation entsprechen die Entfernungen zwischen den festen Teilchen den Entfernungen zwischen den Planeten unseres Sonnensystems. Auch wenn wir dies alles noch so genau wissen, können wir es uns beim Anblick eines massiv wirkenden Eisenblocks nur schwer vorstellen.

 

Ähnlich wie ein Virus als eigenständiger Organismus für unser Vorstellungsvermögen zu klein ist, ist die Entfernung von 10 Millionen Lichtjahren für unsere Vorstellung zu groß. Wir sind in unserer Erkenntnis immer auf eine "mittlere", uns als Mensch angemessene Größenordnung angewiesen. Alles was darunter und darüber liegt, ist entweder uns nur noch durch Hilfsmittel oder meist überhaupt nicht mehr zugänglich.

 

Hier hilft der geniale Schlüssel "wie oben, so unten" weiter. Denn dieser Satz erlaubt es, unsere Betrachtungen und Erforschungen der Gesetze auf den uns zugänglichen Bereich zu beschränken, um dann die gemachten Erfahrungen auf die anderen, uns unzugänglichen Ebenen analog zu übertragen. Dieses Analogiedenken gestattet es dem Menschen, das gesamte Universum ohne Grenzen begreifen zu lernen. Das Denken in Analogien ist nicht kausal und wirkt deshalb in unserer Zeit ungewohnt. An einer späteren Stelle werden wir die Anwendung dieser Methode am Beispiel der Astrologie nochmals konkret behandeln.

 

Die Analogie "wie oben, so unten" hat nur dann eine Berechtigung, wenn wir bereit sind, dieses Universum in seiner Gesamtheit als einen Kosmos (griechisch: Kosmos = Ordnung) anzuerkennen. Ein Kosmos aber wird von Gesetzen beherrscht und hat keinen Platz für einen Zufall.

 

Der Zufall als ein nicht berechenbares und nicht gesetzmäßiges Geschehen würde jeden Kosmos in ein Chaos verwandeln. Bauen wir einen Computer, so stellt dieser in sich einen kleinen Kosmos dar: Er ist gesetzmäßig konstruiert, sein Funktionieren ist von der Einhaltung dieser Gesetze abhängig. Lötet man in dessen Schaltkreise willkürlich ein paar Transistoren, Kondensatoren und Widerstände ein, die nicht zum gesetzmäßigen Schaltplan gehören, so verwandeln diese eingebauten Repräsentanten des Zufalls den gesamten Kosmos in ein Chaos, und der Computer arbeitet nicht mehr sinnvoll. Das gleiche gilt auch für unsere Welt. Bereits beim ersten zufälligen Ereignis würde unsere Welt aufhören zu existieren.

 

Auch die Wissenschaft verlässt sich meistens auf die Gesetzmäßigkeit der Natur, scheut sich aber nicht, gleichzeitig den Zufallsbegriff zu bemühen. Lässt man einen Stein aus einer gewissen Höhe fallen, so fällt dieser nicht zufällig, sondern gesetzmäßig nach unten. Trifft dieser Stein dabei Herrn X auf den Kopf, so wird Herr X nicht zufällig, sondern ebenso gesetzmäßig von einem Stein getroffen. Weder die Tatsache, dass Herrn X ein Stein auf den Kopf fällt, noch der Zeitpunkt, an dem dies geschieht, ist zufällig. Man wird nicht zufällig krank, nicht zufällig von einem Auto angefahren, nicht zufällig von armen oder reichen Eltern geboren und so weiter.

 

Nochmals: Es gibt keinen Zufall. Hinter jedem Ereignis steht ein Gesetz. Nicht immer können wir dieses Gesetz auf Anhieb erkennen. Dies berechtigt uns jedoch nicht, seine Existenz zu leugnen. Die Steine fielen auch zu jenen Zeiten gesetzmäßig nach unten, als die Menschen das Fallgesetz noch nicht entdeckt hatten.

 

Es ist wohl wieder die Ironie des Schicksals, dass jene professionellen Verfechter des Zufalls, die Statistiker, es sich nicht nehmen lassen, eigenhändig die Unhaltbarkeit ihres Zufallsbegriffs mit methodischer Akribie zu beweisen. Ein Statistiker glaubt nämlich, dass beim Werfen eines Würfels dieser nur zufällig die 3, die 5 oder eine andere Ziffer zeigen kann. Würfelt man jedoch lange genug, so ergibt die Summe aller Zahlen eine gesetzmäßige Kurve, genannt Normalverteilung. Welch Wunder offenbart sich hier! Die Summierung nicht gesetzmäßiger Einzelereignisse ergibt eine Gesetzmäßigkeit. Die gesetzmäßige Flugbahn eines Körpers setzt sich schließlich ja auch nicht aus zufälligen Einzelstrecken zusammen. Hätten die Statistiker recht, so müsste auch der Satz gelten: Je öfter man sich bei einer Rechnung verrechnet, um so richtiger wird das Ergebnis. Von ähnlicher Logik ist die Meinung der Darwinisten, die die Evolution aus der Summierung von Genunfällen(!) erklären wollen.

 

Selbstredend zeigt die gesetzmäßige Normalverteilung der großen Zahl an, dass sie aus gesetzmäßigen Einzelereignissen aufgebaut ist. Man kann bestenfalls sagen, dass das Einzelereignis eines fallenden Würfels zu klein ist, um sofort dessen gesetzmäßige Determiniertheit wahrnehmen zu können, und dass wir Menschen deshalb noch auf eine gewisse Mindestgröße des Geschehens angewiesen sind.

 

Die Beobachtung dieser Welt zwingt uns, von einem Kosmos zu sprechen und jegliche Zufälligkeit auszuschließen. Übrigens erkennt man bereits an dem Wort "Zufall", dass dieses ursprünglich wohl eine andere Bedeutung hatte. Denn es bezeichnet das, was dem Menschen gesetzmäßig zufällt. Wenn der Kosmos aber eine geordnete Einheit darstellt, dann muss auch überall die gleiche Gesetzmäßigkeit herrschen, im Großen wie im Kleinen, wie oben, so unten.

 

Diese Analogie berechtigte Paracelsus, den Menschen als Mikrokosmos dem Makrokosmos gleichzustellen. Der Mensch ist das getreue Abbild des makrokosmischen Universums - wir können außen nichts finden, was nicht auch in der Analogie im Menschen zu finden ist und umgekehrt. Deshalb stand über dem Tempel zu Delphi: "Erkenne dich selbst, damit du Gott erkennst."

 

 

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