KOMMUNIKATIONSPOLITIK

 

 

Die moderne Kommunikationstechnologie hat unseren Alltag beeinflusst und verändert wie keine andere technische Entwicklung zuvor. Das Internet mag hier als unvermeidliches Stichwort stehen. Aber gerade beim Internet steht unserer Ansicht nach einer Unmenge von Einzelentwicklungen der Privatwirtschaft ein Defizit im Fehlen einer integrierenden Instanz gegenüber.

 

Einer Instanz, die, in Orientierung am "Analogiegesetz" aus dem Programmteil "Weltanschauung I", zum einen bezüglich der Objekte der kulturellen (also nicht-natürlichen) Umwelt (Häuser, Straßen, Autos etc.) die Funktionen des Zentralnervensystems beim Menschen nachbilden soll. Und die zum anderen die Fähigkeit des Individuums erhöhen sollen, auf seine Umwelt im allgemeinen, wie auch im speziellen auf die verschiedenen kollektiven, politischen Identitäten, an denen es teil hat, konstruktiv-gestaltend Einfluss nehmen zu können.

 

Diese integrierende Instanz sollte dabei von staatlicher Seite gefordert werden - da, wo gemäß gegebenem oder absehbar erreichbarem technischem Entwicklungsstand eine Umsetzung möglich ist. Beispielsweise als verbindliche Forderung in alle Neubauten die unten beschriebene Hausintelligenz bzw. eine nach dem technischen Entwicklungsstand mögliche Grundstufe dessen einzubauen, was einmal diese Hausintelligenz sein soll.

 

Auf der Basis der heute bereits durch das Internet gegebenen Basis soll das angestrebte System einer integrierenden Instanz aus unserer Sicht, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, vornehmlich vier Grundfunktionen erfüllen:

 

1. Allgemeines Politikinformationssystem

2. Allgemeines Produkt-Informationssystem

3. Allgemeines Studienkommunikationssystem

4. Allgemeines Mitgestaltungssystem

 

Das sind vier Schlagworte, unter denen man sich etwas vorstellen kann - oder auch nicht. Was wir damit meinen, haben wir daher in den folgenden Szenarien darzustellen versucht. Grundlage aller Szenarien ist dabei...

 

 

Die Hausintelligenz

 

Der elementare Baustein der integrierenden Instanz ist dabei die sogenannte Hausintelligenz (HAINZ). Dabei handelt es sich um ein ortsgebundenes, intelligentes (na ja - soweit möglich eben) Computersystem, das in jedem Haus, jeder Wohnung und in allen öffentlich oder gewerblich genutzten Gebäuden installiert ist.

 

Ihre Vorstufe sind die bereits im Kapitel "Energiepolitik" angesprochenen "Verbrauchsmanagementsysteme". Während diese jedoch in ihrer Tätigkeit auf Messung, Steuerung und Regelung aller energieverbrauchenden Vorgänge im Haus beschränkt waren, sind die Aufgaben der Hausintelligenz weiter bemessen. Ihre Standardaufgabe in den privat genutzten Häusern und Wohnungen wäre die Haushaltsführung.

 

Sie soll also all das übernehmen, was von den meisten Menschen eher als Pflicht denn als Kür empfunden wird: Kochen, Putzen, Waschen, Haus sauber halten, Auf- und hinterher räumen, Kinder versorgen und beaufsichtigen, bei den Schulaufgaben (puuh!) helfen usw.. Dazu braucht die Hausintelligenz allerdings als eine ortsungebundene, bewegliche Ausführungshilfe einen Roboter, worauf wir im entsprechend betitelten Kapitel besonders eingehen.

 

Soweit also die "Standardaufgaben". Die Hauptaufgabe der Hausintelligenz sehen wir aber in der Schnittstellenfunktion zwischen der Außenwelt und den Hausbewohnern. Das heißt, sie soll eine Möglichkeit anbieten, Informationen statt Personen zu bewegen. Ihr Angebot ist dabei ein kann und kein muss.

 

Bevor wir dazu speziell werden, noch ein allgemeines Beispiel. Sie kennen die Situation: Sie müssen wegen irgend etwas auf eine Behörde und dies Amt liegt nicht in Ihrem Wohnort, sondern in der Kreisstadt (in der Sie eben nicht wohnen). Sie fahren also mit dem Auto hin und zurück, müssen möglicherweise endlos lange warten, oder kommen vielleicht gar nicht dran - und das alles wegen einer relativ belanglosen Unterschrift des zuständigen Beamten.

 

In der Großstadt sind die Hindernisse zwar andere (Sie stehen im Stau, der Bus fährt Ihnen weg, Sie finden keinen Parkplatz), das Ergebnis bleibt aber weitgehend gleich: Zeit-- und Energieverschwendung, die nicht sein müsste. Das ist eine der Situationen, die die Hausintelligenz konstruktiv verbessern soll. Damit jetzt zu den erwähnten vier Funktionen einer Hausintelligenz.

 

 

1. Allgemeines Politikinformationssystem

 

Theoretisch ist in der Bundesrepublik jede Menge Information zum Thema Politik zu haben - wenn man bereit ist, genügend Zeit und Mühe zu investieren, um an die gewünschten Informationen zu kommen. In der Praxis kann dies leicht zu einer Vollzeitbeschäftigung ausarten mit endlosen Gängen von Pontius zu Pilatus und ungewissen Erfolgsaussichten obendrein.

Einen Eindruck davon, wie ein "Apis" (Allgemeines PolitikInformationsSystem)das praktisch ausschauen soll, hoffen wir Ihnen mit dem folgenden kleinen Szenario vermitteln zu können...

 

Nehmen wir an, Sie möchten sich eine Meinung bilden - beispielsweise zu irgendeinem aktuellen Konflikt in einer Sie ansonsten nicht sonderlich interessierenden Weltgegend. Daher beginnen Sie eine Unterhaltung mit Ihrer "Hausintelligenz". Diese ist über kommunale "Knotenintelligenzen" mit allen möglichen Informationsquellen, d. h. den für Außenkommunikation zuständigen Hausintelligenzen verknüpft, die natürlich Zugriff auf die jeweiligen digitalisierten Archive haben, z. B. von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, Zeitungsarchiven, Forschungsinstituten, Ämtern für politische Bildung, Universitätsbibliotheken, usw.

 

Sie sprechen also Ihre Hausintelligenz an (Sie können ihr natürlich einen speziellen Namen geben - vielleicht PLATO??): "Ehm, PLATO - ich hätte da mal eine Frage. Und zwar geht's um diesen XYZ-Konflikt da unten in ABC-Land... Du weißt, was ich meine?" "Ja mein/e Gebieter/in, ich weiß, was Sie meinen!" "Gut, dann folgendes... ich hätte gern alle Berichte aus den letzten x Jahren über dieses ABC-Land aus der NOP-Zeitung. Außerdem noch eine Grafik mit den Grenzen bzw. Grenzveränderungen aus den letzten y Jahren - ach ja, und Grafiken zur Besiedelungsdichte, zu den Stammesgebieten, Religionen, Wohlstands - ,Pardon, ich meine Armutsverteilung. Sieh zu, was Du auftreiben kannst, ja?!"

 

"Alles klar, mein/e Gebieter/in, es wird allerdings ein Weilchen dauern - so etwa 5 Minuten. Geht das in Ordnung?" "Ja, das geht in Ordnung - nimm Dir ruhig Zeit. Ach ja, PLATO?" "Ja, mein/e Gebieter/in?" "Ich hab da noch was vergessen. Ich möchte noch eine Bücherliste zum Thema, zusammen mit Kritiken der verschiedenen Bücher... soweit es welche gibt. Ja und ... wahrscheinlich bin ich eh wieder zu faul zum Lesen, aber dann hätte ich doch ganz gerne wenigstens ein paar Hintergrundberichte gesehen. Stell mir doch bitte eine Inhaltsliste zusammen und ruf die entsprechenden Beiträge schon mal ab, ja?" "Ihr Wunsch ist mir Befehl, mein/e Gebieter/in!"

 

Tja, und so können Sie sich ihr eigenes Programm zum Thema zusammenstellen und sich kürzester Zeit umfassend informieren. Das gilt natürlich nicht nur für irgendeinen Konflikt irgendwo weit draußen, sondern auch für Naheliegendes.

 

Die Erfahrung ist nicht neu: Sie lesen in der Zeitung etwas über die GATT-Verhandlungen, über die KSZE, eine Weltklimakonferenz, ein internationales Textilabkommen oder was auch immer. Sie haben die Begriffe auch schon mal gehört; nur, was das jetzt genau ist?? Sehen Sie! Und dann, wen sollten Sie fragen? Und wenn Sie sich da noch groß anstrengen müssten ... lohnt der ganze Aufwand überhaupt?? Und so lässt man es halt  und fragt sich stattdessen, ob man alleine so blöd ist, wenn im Fernsehen von der "informierten Gesellschaft" und ihren "mündigen Bürgern" die Rede ist - man sich selbst aber einmal mehr gar nicht sooo informiert empfindet.??

Noch ein paar Beispiele für mögliche praktische Anwendungen:

 

-      Sie wollen irgendeine bauliche Veränderung an ihrer Wohnung/ihrem Haus vornehmen. Leider wissen Sie nicht, welche Rechtsvorschriften dafür gelten und welche Behörden in dieser Angelegenheit zuständig sind.

 

-      Sie möchten wissen, welche Zuständigkeiten in den Entscheidungsbereich der EU, des Nationalstaates, des Landes, der Kommunen fallen.

 

-      Sie möchten die Rechenschaftsberichte der Ministerien des Bundes anschauen - als Computeranimation, denn Sie sind kein Freund von dicken Büchern.

 

-      Weil Sie wieder mal nicht einschlafen können, die Chemie aber heute mal im Schrank bleiben soll, möchten Sie sich in eine laufende Bundestagssitzung einschalten, oder sich die digitalisierte Aufzeichnung einer vergangenen Sitzung anschauen.

 

-      Sie hätten gerne vor der Wahl einen Vergleich gesehen zwischen den Aussagen vor der letzten Wahl zu bestimmten Themen, und dem diesbezüglichen Gesetzesstand jetzt vor der nächsten Wahl.

 

In all diesen und ähnlichen Situationen soll ihnen APIS die gewünschten Informationen möglichst schnell zur Verfügung stellen können. Damit zu einem letzten Gesichtspunkt ...

 

Sollte die EU tatsächlich zu einer politischen Gemeinschaft werden, was mehr ist als eine Anzahl Staaten, die durch einen gemeinsamen Markt und eine gemeinsame Währung "zusammengehalten" werden, dann wird sie für einige Jahrzehnte neben den USA oder sogar alleine der mächtigste politischen Einflussfaktor auf unserer blauen Kugel sein.

 

Das bedeutet für alle EU-Bürger ein ungeheures Maß an Mitverantwortung für die Entwicklung auf der Erde. Voraussetzung für verantwortliche Entscheidung ist kompetente Information. Die derzeitige Informationsinfrastruktur ist dazu nicht in der Lage: Sie ist es nicht in der Bundesrepublik, wo eine gemeinsame Sprache gesprochen wird, und sie ist es noch viel weniger in der EU mit ihren vielen unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Bildungsniveaus, Traditions- und Erfahrungswelten.

 

Wenn sich in Europa tatsächlich einmal ein gemeinsamer politischer Wille jenseits der bis heute gültigen Kabinettspolitik bilden können soll, dann ist die Möglichkeit sprachlicher Verständigung über Sprachgrenzen hinweg die Voraussetzung. Diese aber kann unserer Ansicht nach nur durch eine technische Lösung (wie auch immer die im Detail einmal aussehen mag) erfüllt werden - das Holper-und-Brocken-Englisch, auf das die Mehrzahl der EU-Bürger zugreifen kann, kann keine befriedigende Lösung darstellen. Das Allgemeine-Politik-Informationssystem (APIS I) - zuerst auf nationaler, dann auf EU-Ebene verwirklicht - sollte in der Lage sein diesem Mangel abzuhelfen.

 

 

2. Allgemeines Produkt-Informationssystem

 

Das Allgemeine Produkt-Informationssystem (APIS II) verfolgt (aus unserer Sicht) zunächst zwei Hauptziele:

 

-      Verminderung/Vermeidung von Verkehrsbewegungen, die beim Einkauf von Standardprodukten, die keine persönliche Anwesenheit erfordern würden, entstehen.

 

-      Ermöglichen beschleunigter, merkbarer Verbraucherreaktionen auf Produkte des Handels (Annahme oder Ablehnung der Produkte)- dadurch beschleunigte Änderung von Produzentenverhalten.

 

Um das Ganze vorstellbarer zu machen, auch hier wieder ein kleines Szenario:

 

Sie stellen mit ihrer Hausintelligenz den Haushaltsplan für einen bestimmten Zeitraum auf. Dazu gehören die Lebensmittel für die Menüs, welche die Hausintelligenz zubereiten soll (damit man später Ihre Kochkünste lobt!), Reinigungsmittel für den Haushalt; Körperpflegemittel und überhaupt Produkte, die Sie bereits kennen und schätzen gelernt haben, so dass ihre physische Anwesenheit beim Kauf nicht unbedingt erforderlich ist.

 

Die Hausintelligenz setzt sich mit den Hausintelligenzen der in Frage kommenden Händler (innerhalb eines durch Sie frei definierbaren Umkreises um ihren Wohnsitz) in Verbindung und stellt das günstigste Angebot, unter Berücksichtigung der Transportkosten und spezieller, von Ihnen vorgegebener Parameter (etwa, dass nur Lebensmittel aus kontrolliert biologischem Anbau gekauft werden) zusammen und legt es Ihnen zur Auftragserteilung vor.

 

Sie können aber auch per Bildschirm durch die elektronische Simulation eines von Ihnen ausgewählten Geschäftes laufen (entsprechende Systeme gibt es bereits für den Lehr- und Lerngebrauch), sich die Sie interessierenden Produkte aus dem Regal nehmen lassen und von allen Seiten betrachten. Darüber hinaus können Sie aber auch den Herstellungsweg dieses Produktes am Bildschirm zurückverfolgen. Sie können dann sehen, unter welchen Bedingungen es entstand und wie es verarbeitet wurde.

 

Auf den erwartbaren Einwand, jede Firma würde dann natürlich einfach ein geschöntes Filmchen produzieren und zeigen können, können wir hoffentlich gleich entkräften. Denn selbstverständlich können Sie zu dem jeweiligen Produktfilm auch damit zusammenhängende Reaktionen anderer Verbraucher abfragen. Getäuschte, sich getäuscht fühlende, oder sonst wie "produktkritische Stimmen" haben ja die gleiche Möglichkeit, ihre Ansichten und Erfahrungen mit dem Produkt öffentlich zu machen. Firmen oder ganze Branchen, die "faule Eier" verkaufen wollen, werden negative Reaktionen auf ihre Verhaltensweise schneller und finanziell schmerzhafter zu spüren bekommen als das heute der Fall ist.

 

 

3. Das Allgemeine Studien-Kommunikationssystem

 

Der Grundgedanke des Allgemeinen Studien-Kommunikations-Systems ist derselbe wie in den bereits vorgestellten Szenarien: Es ist sinnvoller und kostengünstiger, Informationen zu den Menschen zu bewegen, als Menschen zu den Informationen zu bringen. Um das ganze vorstellbarer zu machen auch hierzu wieder ein kleines Szenario:

 

Rainer und Beate essen Nudelsalat. Das ist aber bei weitem nicht alles was sie so treiben - nebenbei studieren sie nämlich auch noch. Und da sich beide für ihr Studium nur Fächer gewählt haben, die keinen experimentellen Umgang mit irgendwelchen speziellen großtechnischen Versuchsgerätschaften erfordern, sind sie in der glücklichen Lage, die Möglichkeiten des Allgemeinen-Studien-Kommunikations-Systems (ASKOS) voll für ihre Studienpraxis nutzen zu können.

 

Das bedeutet beispielsweise, dass sie Beate nach dem Nudelsalat noch ein wenig hinlegen kann - nach dem Essen ist sie nämlich stets etwas schläfrig. Munter wird sie dagegen erst so ab 20.00 Uhr. Denn Beate ist ein Nachtmensch und vormittags zu allen intellektuellen Leistungen, die über das Lesen eines Kassenzettels hinausgehen, absolut unfähig.

 

Rainer hat inzwischen den Abwasch gemacht und aufgeräumt. Normalerweise hätte das zwar die Hausintelligenz gemacht, d.h. sie hätte den Küchenroboter entsprechend angewiesen, aber Beate möchte das nicht. Sie möchte, dass Rainer seine historische Schuld abträgt - gegenüber der Frau. Und Rainer möchte das auch. Und weil er sich sichtlich bemüht seine Schuld abzutragen, hat Beate Mitleid mit ihm und macht deshalb immer noch ein Extrageschirr schmutzig, damit Rainer seine Schuld schneller abtragen kann.

 

Aber zurück zum eigentlichen Geschehen. Rainer hat also den Abwasch gemacht und ist in seinem Zimmer verschwunden, um zu lernen. Daher geht jetzt auch Beate in ihr kleines Zimmer und setzt sich dort vor ihren großen Bildschirm - eine Studenten-Spezialanfertigung. Dort teilt sie nun der Hausintelligenz mit, welche Vorlesung sie zu hören wünscht. Die Hausintelligenz ruft die gewünschte Vorlesung ab, welche digitalisiert in den Speichern der Universitäts-Hausintelligenz ruht und gibt sie auf den Bildschirm.

 

Nach der ersten Vorlesung macht Beate eine kurze Pause. Weil sie heute jedoch besonders gut drauf ist, sieht sie sich noch eine zweite Vorlesung an. Einige Punkte, die der Professor auf dem Bildschirm von sich gibt, sind ihr wichtig genug, um sie schriftlich zu fixieren. Nach einem entsprechenden Befehl an die Hausintelligenz gibt diese die gewünschten Abschnitte über den integrierten Drucker als Manuskript aus.

 

So vergeht die Zeit und schließlich ist es 1 Uhr in der Früh. Die Vorlesungen sind vorbei und Beate beginnt mit der Endkorrektur ihres Referates, das sie morgen im Seminar zum Besten geben soll. Um den puren Text etwas zu würzen, hat sie zur Untermalung einiger Aspekte mit Hilfe der Hausintelligenz ihrer Wohnung, sowie der Universitäts-Hausintelligenz, Einspielungen aus Filmen und Aussagen von Professoren aus früheren Vorlesungen an bestimmten Stellen ihres Referates vorgesehen.

 

Irgendwann ist Beate mit der Endfassung ihres Referates fertig. Ein kurzer Blick auf die Uhr - schon 5.00 Uhr durch. Um 14.00 Uhr ist Konferenzschaltung ...  Zeit ins Bett zu gehen. Beate schläft den ganzen Vormittag durch. Wahrscheinlich hätte sie auch die Seminarkonferenz verschlafen, aber da die Hausintelligenz ihre Termine verwaltet, hat diese Beate pünktlich um 13.00 Uhr mit ihrem momentanen Lieblingssong geweckt.

 

Schlag 14.00 Uhr beginnt das Seminar. Die Teilnehmer werden als Standbild oder aktuelle Echtaufnahme in einer speziellen Bildschirmzeile eingeblendet. Nach der Begrüßung durch den Prof. und dem üblichen Eingangsgeplänkel ist Beate schließlich mit ihrem Referat an der Reihe. Die Hausintelligenz verfolgt natürlich das Referat ebenfalls und gibt an den vorher markierten Stellen die ausgewählten Filmausschnitte auf den Bildschirm.

 

An den Gesichtern der Konferenzteilnehmer, die sich als Echtaufnahme haben projizieren lassen, kann Beate erkennen, wie beeindruckt sie sind. Teufel auch - da ist ihr wirklich ein Wurf gelungen. Sogar ihr Prof. hat den Kopf schief gelegt - eine Angewohnheit, die seine erhöhte Aufmerksamkeit verrät.

 

Das Referat ist zu Ende und es ist wirklich ein Wurf geworden. Zum Zeichen ihrer Wertschätzung blenden verschiedene Teilnehmer anstelle ihres eigenen Konterfeis Beifallssymbole auf Beates Bildschirm: Klatschende Hände, Blumensträuße, schlagende Herzen, Freudentränen weinende Augen ... das ganze Programm! Dann wird noch ein bisschen rumdiskutiert und Beate zieht sich aus der Diskussion zurück. Sie hat ihren Teil hinter sich.

 

Lieber vertreibt sie sich die verbleibende Zeit mit Simulationsspielen. Sie lässt sich eine Körpersimulation ihres Professors auf den Bildschirm geben, während die anderen noch diskutieren, und macht sich einen Spaß daraus sein Gehirn auf Walnussgröße zu schrumpfen.  Die Diskrepanz zwischen dem aktuellen Gesichtsausdruck ihres Profs und dem eingespiegelten Walnussgehirn  reizt sie zu einer Übersprungshandlung: Sie lacht! Und merkt erst an den fragenden Blicken der anderen Teilnehmer, dass sie vergessen hat ihre Echtaufnahme durch ihr Standfoto zu ersetzen.

 

"Ich war in Gedanken - sorry", murmelt sie entschuldigend eine Erklärung. Nur gut, dass ihre blöde Spielerei mit dem Professor für die anderen nicht zu sehen war. Das wäre eine schöne Blamage gewesen. Trotzdem aber stört sie die Situation mit ihrem "Lacher" ein wenig. Nach dem tollen Referat war es irgendwie ein verpatzter Schluss.

 

Nachdem die nächsten Referate verteilt sind, beendet der Prof. die Konferenz. "Mist", denkt Beate, und sticht der Simulation ihres Professors zur Strafe einige feine Nadeln ins Herz.

 

Fassen wir noch mal zusammen, was die Grundgedanken bzw. Hauptaufgaben von ASKOM; dem Allgemeinen Studien-Kommunikationssystem, wären. Es soll:  

 

-      Informationen zu Personen transportieren, anstatt Personen zu Zentren der Information.

 

-      helfen, angenehme Arbeitsbedingungen zu schaffen, die die Hochschulen von Überfüllung und die Studierenden von Wohnungsnöten befreien.

 

-      den Zugang zu Wissen und Möglichkeiten der Hochschulen auch Nicht-Studierenden, einfach nur Interessierten, öffnen. (ohne die Lehrenden weiter zu belasten).

 

 

4. Das Allgemeine Mitgestaltungssystem

 

Die vierte Grundfunktion des angestrebten Kommunikationssystems ist die eines Allgemeinen Mitgestaltungssystems. Was ist damit gemeint? Vieles! Und da wir mit Sicherheit nicht all das werden aufzählen können was sich bei der konkreten Verwirklichung noch als Möglichkeit ergeben wird, wollen wir uns auf zwei Punkte beschränken, die uns den Aufbau eines solchen Mitgestaltungssystems wünschenswert erscheinen lassen:

 

1.     Schaffung einer direkten konstruktiv-gestaltenden politischen Mitgestaltungsmöglichkeit.

 

2.     Allgemeine Erweiterung konkret-gestaltender Möglichkeiten des Individuums.

 

zu 1.: Es hat in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen immer wieder Diskussionen gegeben, ob es nicht sinnvoll sei, die Möglichkeit direkter Demokratie einzuführen? Wir sind nicht gegen die repräsentative Demokratie, aber wir finden, sie könnte sehr wohl um Elemente direkter Demokratie erweitert werden Wir denken, dies würde die repräsentative Demokratie keineswegs beschädigen, sondern ganz im Gegenteil bereichern. Im Rahmen der Funktion eines Allgemeinen Mitgestaltungssystems sollten daher, beginnend auf der kommunalen Ebene, schrittweise drei Elemente direkter Demokratie eingeführt werden:

 

-  die Volksbefragung

 

-  das Volksveto

 

-  die Volksabstimmung

 

Die Volksbefragung wäre ein politisch nicht bindendes Instrument, das in einer gegebenen Situation für jeden Bürger erkennbar unabweisbare Klarheit bringt, ob die getroffene bzw. sich abzeichnende Entscheidung der Regierung mit der Ansicht des Volkes übereinstimmt, oder ob sie ihr klar - und möglicherweise sogar krass - entgegensteht.

 

Das Volksveto wäre, eine Stufe höher angesiedelt, ein politisch bindendes Instrument. Es enthielte keine "positive Anweisung" an die Regierung, wie etwas zu geschehen habe, sondern nur eine "negative Anweisung", dass nämlich etwas so nicht zu geschehen habe.

 

Der höchste Rang unter den drei Instrumenten käme der Volksabstimmung zu. Sie böte die Möglichkeit der "positiven Anweisung" an die Regierung, dass in einer bestimmten Angelegenheit etwas so und nicht anders zu geschehen habe.

 

Der Einsatz dieser drei Elemente wäre von unterschiedlich hohen Mindestbeteiligungshürden abhängig zu machen, die über eine Hausintelligenz-Umfrage schnell und unbürokratisch erledigt werden könnte.

 

zu 2.: Auch der zweite Punkt bezieht sich zunächst auf die lebensnahe Umwelt der kommunale Ebene. Beispiele dazu:

 

Es soll eine Straße gebaut werden, und Sie sind mit der Streckenführung nicht einverstanden.

 

Sie sind in einer fremden Stadt und ärgern sich schwarz über die absurde Verkehrsführung. Um etwa ein in Fahrtrichtung links von Ihnen liegendes Gebäude zu erreichen, müssen Sie so oft rechts abbiegen, bis Sie mehrere Kilometer Umweg hinter sich haben

 

Sie sind mit einem bestimmten kommunalen Bauvorhaben nicht einverstanden, hätten auch einen Alternativvorschlag, den Sie aber aus Mangel an konkretem, gegenstandsbezogenem Wissen nicht entsprechend konstruktiv aufbereiten können.

 

In Fällen wie dem ersten und dritten sollten Bürger die Möglichkeit haben, in einem Arbeitsverbund "Individuum - Hausintelligenz - kommunale Knotenintelligenz" (und nötigenfalls aufgabenbezogener Spezialrechner) eigene Alternativvorschläge zu erarbeiten, die tatsächlich konstruktive Vorschläge sind - anstatt öder "Ich-bin-dagegen,-dass... - Kritik".

 

In einem Fall, wie im zweiten Beispiel geschildert, sollten Sie ihren Ärger über die Verkehrsführung der für diese Stadt zuständigen Stadtintelligenz per Handy mitteilen können. Aus der Anzahl der Beschwerden über bestimmte Gegebenheiten erarbeitet die Stadtintelligenz dann Entwicklungsprofile anhand deren die Bürger der jeweiligen Stadt sehen können, welche Mängel oder Entwicklungsrückstände Außenstehenden aufgefallen sind - und sich dann entscheiden, ob diese Mängel beseitigt werden sollen.

 

 

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